04.08.2010
(Si) Der FC Luzern nimmt das Rückspiel der dritten Qualifikationsrunde für die Europa League gegen Utrecht mit einer 0:1-Hypothek aus dem Hinspiel in Angriff. Zusätzlich erschwerend kommt am Donnerstag der Gang ins Stadion-Exil Letzigrund hinzu.
FCL-Trainer Rolf Fringer steht vor einer schwierigen und heiklen Aufgabe. Der holländische Meisterschafts-Siebte der letzten Saison hatte sich im Hinspiel vor einer Woche als ebenbürtiger Gegner präsentiert: defensiv äusserst stabil und kompakt stehend, offensiv mit pfeilschnellen Angreifern ausgerüstet. Eigenschaften, die sich speziell gut für ein Konterspiel eignen -- vor allem dann, wenn man mit einem 1:0-Vorsprung antreten und die ganze Initiative dem Gegner überlassen kann.
"Die Zuschauer werden ganz bestimmt kein Spiel mit zehn Toren zu sehen bekommen", weiss Fringer schon im voraus, "es wird für uns ein Geduldsspiel werden. Wir müssen die richtige Dosierung zwischen Abwehr und Angriff finden." Ideal wäre ein schnelles Führungstor, weiss Fringer. Doch die Holländer kassierten letzte Saison weniger als ein Gegentor pro Spiel und überstanden auch das Hinspiel ohne grosse Probleme in der Hintermannschaft.
Was die Mission der Luzerner im Ausweichstadion Letzigrund noch schwieriger macht, sind die pfeilschnellen und torgefährlichen Stürmer des Gegners. Der belgische Spielmacher Dries Mertens hatte beim Siegestreffer in Utrecht demonstriert, wie gefährlich er ist, wenn er mit Tempo auf die Luzerner Abwehr zulaufen kann. Und sein robuster Stürmerkollege Jacob Mulenga zeigte keine Scheu, in den Zweikämpfen auch die Ellbogen einzusetzen. FCL-Verteidiger Lukmon weiss ein Lied davon zu singen, er verbrachte die Nacht nach dem Hinspiel in einem Utrechter Spital.
"Wir werden uns zu wehren wissen und ebenfalls kompromissloser einsteigen", sagt Fringer. Er muss gegen Utrecht jedoch erneut auf den im Europacup noch nicht spielberechtigten Neuzuzug Tomislav Puljic sowie eventuell auf die angeschlagenen Verteidiger Kibebe und Lukmon verzichten.
Merkwürdiger UEFA-Entscheid
Der FCL muss im Letzigrund antreten, weil die UEFA sein Ausweichstadion Gersag, wo die Innerschweizer in der Meisterschaft regelmässig für ein Offensivspektakel sorgen, für den Europacup nicht bewilligt hat. Eine sehr fragliche Entscheidung des europäischen Verbandes: Wer am TV-Bildschirm schon einmal die deutlich schlechter eingerichteten Stadien der Europacup-Teilnehmer aus dem Osten oder aus den europäischen Kleinstaaten gesehen hat, der wundert sich über die von der UEFA tolerierte Zweiklassen-Gesellschaft. Für die Luzerner wird das erste Europacup-"Heimspiel" seit 13 Jahren wegen der hohen Stadion-Mietkosten mit grösster Wahrscheinlichkeit zu einem von der UEFA verordneten Verlustgeschäft.
Letzigrund, Zürich. -- 19.45 Uhr. -- SR Kulbakov (WRuss).
Mögliche Startformationen:
Luzern: Zibung; Zverotic (Lukmon), Veskovac, Wiss (Kibebe), Lustenberger; Gygax, Renggli, Kukeli, Ferreira; Yakin; Ianu.
Utrecht: Sinouh; Cornelisse, Schut, Wuytens, Nesu; Asare, Silberbauer, Lensky, Mertens; Mulenga, Van Wolfswinkel.
Bemerkungen: Luzern ohne Puljic (nicht spielberechtigt).