FORMEL 1: GP UNGARN

Formel 1

31.07.2010 

(Si) In den Qualifyings ist Red Bull dieses Jahr eine Klasse für sich. Sebastian Vettel und Mark Webber monopolisieren in Ungarn schon zum sechsten Mal die erste Startreihe. Pedro de la Rosa nimmt das nächste Jubiläumsrennen des Sauber-Teams von Position 9 aus in Angriff.

Die Überlegenheit der Red-Bull-Boliden in der Qualifikation für den Grand Prix von Ungarn ausserhalb Budapests war frappant. Sebastian Vettel fuhr vor dem zwölften Saisonrennen bereits zum siebten Mal die Pole-Position heraus. Als einziger vermochte Stallgefährte Mark Webber mit Vettel mitzuhalten. Der Australier büsste allerdings auch schon 0,411 Sekunden auf den Deutschen ein.

Kampf um die interne Vormacht

Im WM-Klassement liegen Vettel und Webber punktgleich in den Zwischenrängen 4 und 3. Es geht im heutigen Rennen also auch um die teaminterne Pole-Position für die entscheidende Saisonphase, die nach einer vierwöchigen Pause am 29. August in Belgien eingeläutet wird. Weil der Hungaroring kaum Gelegenheiten zum Überholen bietet, kommen dem Start und dem Wegstück bis zur ersten Kurve grosse Bedeutung zu. Die Heisssporne werden sich hüten, sich wie in Istanbul ins Gehege zu kommen.

Erster Herausforderer der roten Bullen ist Ferrari. Fernando Alonso war als Dritter schon mehr als 1,2 Sekunden langsamer als Vettel. Felipe Massa, der Alonso letzten Sonntag in Hockenheim auf verschlüsselten Befehl vom Kommandostand den Sieg überlassen musste, startet ein Jahr nach seinem schlimmen Crash auf der gleichen Strecke von Platz 4. Ein weiteres heisses Stallduell ist also programmiert, zumal sich Massa gegen sein Schicksal auflehnen will und die Rolle als Nummer 2 nicht anzunehmen gedenkt.

In einer Sache bilden Red Bull und Ferrari derzeit eine Schicksalsgemeinschaft. Die Konkurrenz argwöhnt, die beiden Topteams würden illegale, weil bewegliche Frontflügel verwenden. Der internationale Verband hatte die Teile aber schon vor dem GP von Deutschland für zulässig erklärt. Für die Konkurrenz wäre damit das Signal zur Kopie gegeben. Das Problem ist nur, dass sie dem Konstruktionsgeheimnis bisher nicht auf die Schliche gekommen ist.

Starker De la Rosa beim 300.

Das gilt auch für McLaren-Mercedes. WM-Leader Lewis Hamilton fuhr immerhin den 5. Startplatz heraus, Jenson Button schied als Elfter schon nach dem zweiten Qualifying-Teil aus. Mit Pedro de la Rosa schaffte dafür ein Sauber-Fahrer den finalen Cut. Der Spanier egalisierte als Neunter sein bisher bestes Qualifikationsresultat der Saison. "Meine Platzierung beweist, welche Fortschritte die Jungs in Hinwil mit diesem Auto erzielt haben, vor allem, wenn es um langsame Kurven geht", sagte De la Rosa.

Der Routinier sorgte damit im Sauber-Rennstall, der eine Woche nach dem 40-Jahr-Jubiläum in Hockenheim den 300. Grand Prix seiner Formel-1-Geschichte begeht, für das Licht, Kamui Kobayashi für den Schatten. Zuerst schied der Japaner, der auf dem Hungaroring mehr schlecht als recht über die Runden kommt, zusammen mit den Fahrern der drei Hinterbänkler-Teams schon nach den ersten 20 Minuten aus.

Kobayashis Tag zum Vergessen

Doch für Kobayashi kam es noch schlimmer. Er übersah in der Boxengasse eine rote Ampel, die ihm signalisieren sollte, dass er sich und sein Auto wägen lassen muss. Das Versäumnis wurde mit der Strafversetzung um fünf Startplätze von Position 18 auf 23 sanktioniert. Den Einzug in den zweiten Qualifying-Teil hatte Kobayashi nicht zuletzt wegen falscher Reifenwahl der Boxencrew verpasst.

Sébastien Buemi dürfte einmal mehr hartes Brot zu essen haben. Der Romand startet von Platz 15 aus. Immerhin war er im Gegensatz zum Training wieder schneller als sein Teamkollege Jaime Alguersuari, der ihn vor Wochenfrist kurz nach dem Start abgeschossen hatte. "Der Schlüssel wird sein, beim Start einige Konkurrenten zu überholen", sagte Buemi. "Nachher ist das kaum mehr möglich." Einen zunehmend ratlosen Eindruck macht Michael Schumacher (14. Startplatz), der wie eine billige Kopie seiner selbst wirkt.