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FUSSBALL: YB GEGEN FENERBAHÇE SCHLECHT BELOHNT

Fussball

29.07.2010 

(Si) Die Champions-League-Qualifikation wird für die Young Boys zu einem extrem schwierigen Unterfangen. Im Hinspiel der 3. Runde kamen die Berner vor knapp 19'100 Zuschauern gegen Fenerbahçe Istanbul trotz klarem Chancenplus nicht über ein 2:2 hinaus.

Symptomatisch für den beherzten YB-Auftritt war Moreno Costanzos Pfostenschuss und vor allem die folgende Reaktion an der Seitenlinie: Ungläubig schlug Erminio Piserchia, der den gesperrten Cheftrainer Vladimir Petkovic vertrat, die Hände über dem Kopf zusammen. Hätte Costanzo nicht den Pfosten, sondern zum 2:1 getroffen, wäre das Spiel mutmasslich anders gelaufen.

Und weil Costanzo eine Minute vor Schluss einen Foulpenalty verwertete, kamen die Young Boys wenigstens noch zum verdienten 2:2. Sportchef Alain Baumann sprach von einer grossen Enttäuschung. "Wir hätten mehr verdient als ein Unentschieden. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir letztmals so viele Chancen hatten. Es hat Spass gemacht, dem Team zuzuschauen."

Fehlstart für YB

Was aus Sicht des Heimteams ein Traumstart hätte werden können, wurde zum "worst case": Statt dem 1:0, wie es David Degen und der kopfballschwache Thierry Doubaï schon in den ersten 92 Sekunden vergaben, kassierten die Young Boys den Gegentreffer in der 4. Minute. Als sich die Abwehr mit zwei Pässen aushebeln und durch einen angetäuschten Laufweg irritieren liess, chippte Routinier Emre Belözoglu den Ball an YB-Keeper Roman Bürki vorbei. Das Tor, das YB insbesondere zu diesem frühen Zeitpunkt mit allen Mitteln hatte vermeiden wollen, warf das Berner Konzept nur temporär über den Haufen.

Das 1:1 durch einen Kopfball von Emiliano Dudar im Anschluss an einen Eckball und ein sehenswertes Dribbling von Henri Bienvenu (18.) war der verdiente Lohn für die intensiven Bemühungen. Die Young Boys drückten der Partie den Stempel auf. Sie versuchten durch Captain Christoph Spycher im defensiven Mittelfeld den Rhythmus zu bestimmen und kamen regelmässig zu guten Chancen. Dass ihnen ein Vollstrecker im Stil von Seydou Doumbia fehlt, rächte sich kurz vor der Pause. Miroslav Stoch, Fenerbahçes stärkster Spieler, brachte den 17-fachen türkischen Meister via Pfosten zum zweiten Mal in Führung. Wieder hatte sich die YB-Abwehr düpieren lassen, der slowakische Neuzuzug schloss mit einem satten Schuss ab.

Wäre Fenerbahçe noch effizienter gewesen, hätte der Favorit aus Istanbul sogar einen 3:1-Vorsprung in die Pause bringen können. So gravierend die Abstimmungsprobleme in der Innenverteidigung in der ersten Halbzeit waren, so unberechenbar agierten die ersatzgeschwächten Türken offensiv. Die individuelle Klasse war trotz Trainingsrückstand -- die Süperlig startet erst Mitte August in die Saison -- unübersehbar.

In den vielen Situationen, in denen die Partie zu Gunsten der Young Boys hätte kippen müssen, hatte Fenerbahçe das Glück auf seiner Seite. Drei Mal bewahrte die Torumrandung nach Schüssen von Moreno Costanzo und Scott Sutter "Fener" vor einem Gegentor, mindestens ein halbes Dutzend Mal fehlte weniger als ein Meter dazu.

Von Minute zu Minute verschlechterte sich deshalb die Lage der Young Boys, sich eine kleine Chance für das Rückspiel vom kommenden Mittwoch zu wahren. Ein Foulpenalty von Costanzo führte zwar noch zum 2:2 (89.). In Anbetracht der vielen vergebenen Möglichkeiten und der über 45-minütigen Überzahl -- Kazim hatte sich wegen Ballwegschlagens eine gelb-rote Karte eingehandelt -- ist dies aber massiv zu wenig.

"Nach dä Stärnä griffä", wie es die Fans vor der Partie auf einem Transparent gefordert hatten, werden die Young Boys heuer wohl anderen überlassen müssen. Sollte das Team von Vladimir Petkovic, der das Spiel wegen einer Sperre auf der VIP-Tribüne verfolgen musste, das Rückspiel nicht gewinnen (oder 3:3 oder höher unentschieden spielen), wird es in den Playoffs der Europa League um den Verbleib im internationalen Geschäft kämpfen müssen. Dieses Szenario ist wahrscheinlicher als ein Coup im Sükrü Saraçoglu. Noch nie in zehn Partien hat ein Schweizer Team ein Europacup-Spiel in Istanbul gewonnen.