25.07.2010
Hinter dem Meister in Frühform reihte sich Luzern ein. Die Innerschweizer bedrängten das nur siebtplatzierte YB (1:1) auswärts überraschend hart. Gut gestartet ist auch Thun: Der ungeschlagene Aufsteiger rang Xamax nach einem 0:2-Rückstand auswärts 3:2 nieder. Fabian Frei führte St. Gallen mit drei Skorerpunkten zum 3:2 gegen die punktelose AC Bellinzona.
FCB wunschgemäss, Challandes' alte Geschichte
Dank des Last-Minute-Treffers des Abwehrchefs David Angel Abraham (nach einem Corner Freis) ist der FCB-Traumstart perfekt. Die Müh und Not vor Jahresfrist wollten sich die Bebbi unter allen Umständen ersparen, da ein frühes Handicap im Verlaufe einer möglichen Champions-League-Saison wesentlich schwieriger zu korrigieren wäre.
Der in der 93. gesicherte Erfolg war gemessen am Aufwand und an den Spielanteilen zwar höchst verdient, glückhaft war das Happy-End gleichwohl. Würden im Fussball technische Hilfsmittel eingesetzt, wäre Franco Costanzos böser Lapsus kurz nach der Pause nicht folgenlos geblieben. Dem Keeper glitt ein Fernschuss Obradovics durch die Hände. Der Ball kugelte gegen den Innenpfosten -- und gemäss TV-Bildern sogar im vollen Umfang über die Torlinie. Für den Schiedsrichter-Assistenten war das "Tor" mit blossem Auge kaum zu erkennen.
Deshalb blieb dem Titelhalter vor über 13 000 Anhängern ein mutmasslich weitaus unangenehmerer Abend erspart. Sion spielte lange gut mit. Auf den dritten Saisontreffer von Alex Frei hatte der Gastgeber überzeugend reagiert. Zupass kam dem Aussenseiter dabei auch, dass der neue Holländer Michael Dingsdag einen von Costanzo verschuldeten Foulpenalty souverän verwertete (19.).
Bernard Challandes hingegen erlebte nun bereits beim ersten Rendez-vous mit dem Double-Gewinner ein Déjà-vu. Schon während seines knapp dreijährigen Engagements in Zürich erreichte der Coach gegen Basel kein einziges Erfolgserlebnis. Nun wiederholte sich für ihn die betrübliche Geschichte. Verzweifelt musste der Romand mitansehen, wie zudem die Serie nach zwölf Heimspielen ohne Niederlage riss.
Abwehrchef Teixeira Topskorer
Der Transfer von Jorge Teixeira zahlt sich für den FCZ bereits aus. In der Abwehr trat der 23-jährige Portugiese erneut wie ein Chef auf und offensiv spielte er zum zweiten Mal eine wichtige Rolle. Mit dem 1:0 (21.) wies der Verteidiger seiner Equipe den direkten Weg zum elften Derby-Heimsieg in Serie.
"Wir mögen es, wenn es auf dem Platz Rambazamba gibt", hatte Smiljanic 48 Stunden vor der Partie erklärt. Dem Wunsch des GC-Captains wurde nicht entsprochen. Der FCZ tat dem Jugend-Ensemble der Hoppers den Gefallen nicht, sich in einen offenen Schlagabtausch verwickeln zu lassen. Stattdessen kontrollierte die taktisch gut gruppierte Auswahl von Urs Fischer das Geschehen cool und ohne jede Hektik.
Eine Bankrotterklärung wie beim letzten Duell mit dem Rivalen (0:4) hatte der FCZ-Anhang nie zu befürchten. Die personelle Auffrischung des Teams tat Zürich gut. GC hingegen hat eben doch mehr Substanz verloren als gegen aussen hin deklariert. Und die Bestätigung der glänzenden letzten Rückrunde fällt nun offenbar schwerer als erwartet.
Dass Fischer in der Analyse der Offensive einen teilweise "schwerfälligen und blockierten" FCZ gesehen hat, wertete die Leistung von GC nicht auf. Trotz einiger Mängel im Vorwärtsgang kam der Heimklub aber auf passable Art zum 2:0. Als Passeur brillierte wieder Eric Hassli, ehe Kukuruzovic den Ball einschob.
Luzerner Chancenflut
Beim 4:0 gegen St. Gallen hatten die Luzerner eine erste Visitenkarte deponiert. Dass mit ihnen im Championat erneut im oberen Tableau zu rechnen ist, demonstrierten sie beim hoch verdienten 1:1 in Bern nun mit Nachdruck. YB hingegen vermied nur dank einem eher zufälligen Kopfballtor von Verteidiger Emiliano Dudar einen empfindlichen Fehltritt vor eigener Kulisse.
Die Young Boys offenbarten wenige Tage vor der Woche der internationalen Wahrheit -- am Mittwoch steht das Duell mit Fenerbahce im Europacup-Programm -- erhebliche Schwächen in der Defensive. Die Dreier-Abwehr wurde von den flinken FCL-Professionals Ianu und Gygax gleich reihenweise ausmanövriert. Nur die mangelnde Effizienz trennte die Gäste von einem besseren Ergebnis.
Ianu vergab vor seinem Führungstor (59.) diverse hoch prozentige Chancen. Oft verpasste der Rumäne das Abspiel im richtigen Moment oder zögerte vor dem Tor zu lange. Für mehrere spektakuläre Aktionen sorgte Hakan Yakin. Der FCL-Kopf setzte einen Ball an den Pfosten und verpasste mit einem herrlichen Freistoss das 2:0 nur um Zentimeter. Fringers Equipe schwebt auf einem veritablen Sommerhoch und verströmt Spielfreude wie in besten (Meister-)Zeiten.
Frei mit drei Skorerpunkten
Vom Talent Fabian Frei hält Uli Forte extrem viel. Für den Coach der St. Galler wird die Basler Leihgabe eine zentrale Rolle spielen in dieser wohl schwierigen Saison. In der Startrunde fehlte er gesperrt. Nun kehrte er im grandiosen Stil zurück. Mit zwei Toren und einem Assist stand der 21-Jährige im Mittelpunkt.°
Lustrinellis Penalty-Treffer glich er mit einem herrlichen Fallrückzieher aus. Dem zweiten Vorteil der Tessiner (Diarra/44.) liess Frei vom Elfmeterpunkt aus mit der Nervenstärke des geborenen Skorers das 2:2 folgen, ehe Muntwiler von seiner klugen Vorarbeit profitierte und mit einem präzisen Schuss den 3:2-Sieg sicherte.
Aus Sicht der Tessiner war die zweite Penalty-Szene fatal. Pergl sah nach seinem Foul Gelb-Rot. In Unterzahl gerieten die Südschweizer dauerhaft unter Druck. Die Schlinge um den Hals von Coach Roberto Morinini, auch im Erfolgsfall kein Charismatiker, zieht sich bereits wieder zu. Geduld ist keine Stärke der italienischen Investoren.
Thuns Charakter
YB hatte Thun den Einstieg ins Championat alles andere als versüsst. Eine Woche später vermieste der Aufsteiger Xamax den ersten Auftritt in der Maladière. Vom 0:2 nach elf Minuten liess sich der forsche Liga-Neuling nicht abschrecken. Im Gegenteil: In der Schlussphase inszenierte Nick Proschwitz mit einem Kunstschuss via Lattenunterkante die spektakuläre Wende zum 3:2.
Den Berner Oberländern kam auch zupass, dass Xamax-Keeper Jean-François Bédénik mutmasslich nicht den besten Tag seiner Laufbahn erlebte. Der erste halbwegs gefährliche Kopfball führte zum 1:2. Das 2:2 Hedigers (36.) aus der Distanz wäre ebenso zu verhindern gewesen. Nicht sein Fehler war aber, dass die Neuenburger die 2:0-Führung quasi mit dem vorzeitigen Dienstschluss gleichsetzten und Thun so richtiggehend zum Comeback aufforderten.