16.07.2010
(Si) Der FC Basel muss entweder den Double-Gewinner aus Estland, Levadia Tallinn, oder jenen aus Ungarn, den VSC Debrecen, aus dem Weg räumen, um in die entscheidende Runde der Champions-League-Qualifikation einzuziehen. Eine wesentlich schwierigere Aufgabe stellt sich den Young Boys.
Die Berner haben gegen den türkischen Traditions-Klub Fenerbahce Istanbul anzutreten. Die Hinspiele finden am 27. oder 28. Juli statt, die Rückspiele eine Woche später. Während YB zunächst Heimrecht geniesst, muss Basel für seine erste Partie in den Osten reisen. Ob es die "Bebbi" mit Levadia Tallinn oder mit Debrecen zu tun bekommen, weist sich am kommenden Mittwoch, wenn die beiden Teams in der 2. Runde der Champions-League-Qualifikation im Rückspiel aufeinandertreffen. Nach dem 1:1 vom vergangenen Dienstag reicht den Ungarn zuhause ein Sieg oder ein torloses Remis, um das Weiterkommen in der regulären Spielzeit zu sichern.
Debrecen mit zweispältiger Champions-League-Erfahrung
Der VSC Debrecen wäre kein unbekannter Gegner in der Schweiz. Vor knapp zwei Jahren waren die Young Boys in der UEFA-Cup-Qualifikation auf den "Eisenbahner"-Verein getroffen. Die Berner setzten sich in den Anfängen der Ära Vladimir Petkovic sicher mit zwei Siegen und dem Gesamtskore von 7:3 durch. Von diesem Rückschlag konnte sich Debrecen erholen. Das Team von Trainer Andras Herczeg holte anschliessend auf nationaler Ebene den Meistertitel, um dann erstmals in die Champions League einzuziehen. Die Premiere in der "Königsklasse" fiel eher ernüchternd aus. Debrecen, das die Spiele in Budapest ausrichtete, blieb in der Gruppe mit Fiorentina, Lyon und dem FC Liverpool ohne Punkt. Das Torverhältnis lautete 5:19. Zu allem Übel geriet Debrecen ins Visier von UEFA-Ermittlern, die wegen des Verdachts des Wettbetrugs tätig wurden. Der montenegrinische Goalie Vukasin Poleksic und der ungarische Verteidiger Norbert Meszaros sind inzwischen gesperrt worden. Bei Debrecen ist der ehemalige Sion-Verteidiger Mirsad Mijadinoski engagiert.
Estlands Rekordmeister Levadia Tallinn ist auf höchstem europäischen Level ein unbeschriebenes Blatt. Von Auftritten in der Champions League durften estnische Teams bislang nur träumen. Der Verein, der früher nicht in der Hauptstadt, sondern im benachbarten Maardu ansässig war, steht derzeit mitten in der Meisterschaft. Die Equipe von Coach Igor Prins führt die Liga mit sechs Punkten Vorsprung an. Einen Europacup-Vergleich zwischen Estland und der Schweiz gab es bis dato erst einmal: Im August 1996 schaltete der FC Aarau in der UEFA-Cup-Qualifikation nach einem 4:0-Heimsieg und einer 0:2-Auswärtsniederlage Lantana Tallinn aus.
FCB-Chefscout Ruedi Zbinden gab auf der Homepage eine Einschätzung zu den potenziellen Gegnern ab: "Der ungarische Fussball hat stark unter der Finanzkrise gelitten. Debrecen im Speziellen aber war erfolgreich. Im Moment sollen sie auf Stürmersuche sein, weil ihnen die offensive Durchschlagskraft etwas fehlt." Von Levadia glaubt er, dass die Mannschaft eingespielt und defensiv stabil sei.
Nach Daums Abgang: Alle Macht für Kocaman
Einen weitaus glamouröseren Namen als VSC Debrecen und Levadia Tallinn trägt der Gegner der Young Boys, Fenerbahce Istanbul. Die Berner hätte es an der Auslosung in Nyon nicht härter treffen können. Dynamo Kiew oder Sporting Braga beispielsweise wären wohl die tieferen Hürden gewesen. Fenerbahce verfügt auf internationalem Parkett über viel Erfahrung. Im April 2008 wurde der reichste (und mit Galatasaray Istanbul erfolgreichste) Klub der Türkei in der Champions League erst in den Viertelfinals gestoppt. Man musste sich damals nach einem Höhenflug Chelsea knapp geschlagen geben.
Die letzte Saison allerdings, die mit einem relativ lockeren Ausschalten des FC Sion in der Europa-League-Qualifikation begonnen hatte, endete mit einer grossen Enttäuschung. In der Schlussrunde der "Süperlig" verschenkte Fenerbahce den Titel an das überraschende Bursaspor. Man einigte sich daraufhin mit dem deutschen Trainer Christoph Daum auf die Vertragsauflösung. Dieser soll eine Abfindung in der Höhe von 3,5 Millionen Franken kassiert haben. Daums Nachfolger ist Aykut Kocaman, der zuletzt Sportdirektor war und nun die Equipe in einer Doppelfunktion nach englischem Vorbild betreuen soll, wobei ihm einiges an Macht übertragen wird.
Die Säulen im Team von "Fener" bilden der türkische Nationalgoalie Volkan Demirel, der Captain des WM-Vierten Uruguay, Diego Lugano, der umstrittene Mittelfeld-Regisseur Emre Belözoglu, der frühere brasilianische Internationale Alex und Daniel Güiza, der beinahe den Sprung in Spaniens Weltmeister-Kader geschafft hätte. Güiza soll jedoch Gerüchten zufolge vor dem Abgang stehen. Neu verpflichtet wurde der slowakische WM-Teilnehmer Miroslav Stoch.
Die Schweizer Europacup-Bilanz gegen türkische Vertreter ist nicht sonderlich gut. Von 23 Duellen konnten lediglich deren 5 gewonnen werden. 14 Mal gab es Niederlagen. Für das letzte Erfolgserlebnis sorgte Sion mit einem 3:2 gegen Galatasaray (im September 2007 nach 3:0-Führung).
YB-Trainer Vladimir Petkovic freut sich auf stimmungsvolle Spiele: "Fenerbahce ist ein starker, unangenehmer Gegner. Gelingen uns zwei perfekte Spiele, haben wir Chancen, die nächste Runde zu erreichen."