FUSSBALL: AXPO SUPER LEAGUE, SAISON 2010/11

Fussball

15.07.2010 

(Si) Nur sechs Tage nach dem WM-Final in Südafrika startet die Axpo Super League am Samstag in die neue Saison. Den Titelanwärtern winkt ein überaus attraktiver Lohn: Der kommende Schweizer Meister ist direkt für die Gruppenphase der Champions League qualifiziert.

Erstmals in der 19-jährigen Geschichte der europäischen Königsklasse wird der Schweizer Meister im nächsten Sommer keine Qualifikationsspiele bestreiten müssen, um an der Champions League teilnehmen zu dürfen. Weil die Leistungen der Schweizer Klubs in den letzten Jahren derart gut waren, ist für den kommenden Schweizer Meister in einem Jahr ein fixer Startplatz in der Gruppenphase reserviert.

Ein überaus verlockendes Ziel, das vor allem den Finanzchefs der Schweizer Spitzenklubs ganz neue Perspektiven eröffnet. Die Möglichkeit der fixen Budgetierung von vielen Champions-League-Millionen wird sich bestimmt in der Winterpause bemerkbar machen, wenn die Kader für den Saison-Schlussspurt und die neue Europacup-Saison geplant und zusammengestellt werden. Dannzumal wird in der ASL auch bereits klarer abzuschätzen sein, wer für den nächsten Meistertitel in Frage kommt.

FCB erklärter Favorit

Double-Gewinner Basel steigt als erklärter Favorit in die Meisterschaft. Nachdem die letzte Saison wegen des Trainerwechsels als "Übergangsjahr" bezeichnet worden war und trotzdem im Gewinn des Doubles endete, führt heuer kein Weg am FCB vorbei. Die Basler schnappten zudem Konkurrent YB deren Spielmacher Gilles Yapi weg und verstärkten sich damit geschickt, während der Dauer-Verfolger aus Bern gleichzeitig empfindlich geschwächt wurde.

Der Titelverteidiger startet am Dienstag gegen den FC Zürich mit einer gefestigten und selbstbewussten Mannschaft in die neue Saison. Ungewiss ist einzig, wie das Team auf die Doppelbelastung Champions League/Meisterschaft reagiert, wenn denn die Qualifikation für die Königskasse tatsächlich realisiert würde. Letzte Saison bekundeten die Basler einige Probleme, als sie im Herbst parallel in der Europa League engagiert waren. Für Captain Alex Frei stellt es indes "eine Riesen-Herausforderung dar, zu beweisen, dass es möglich ist, den Spagat zwischen Champions League und Meisterschaft hinzubekommen".

Umbau bei YB

Die Young Boys, die im Frühjahr einen Vorsprung von 13 Punkten auf Verfolger Basel verspielten und damit zum zweiten Mal in Folge im letzten Spiel den Titel aus den Händen gaben, mussten ihr Team auf verschiedenen wichtigen Positionen umbauen. Im Sturm hinterlässt Topskorer Seydou Doumbia, der zweimal in Folge Schweizer Torschützenkönig geworden ist und nun beim ZSKA Moskau spielt, eine nur schwer zu schliessende Lücke. In der besten Abwehr des Vorjahres gilt es, Super-League-Rückkehrer Christoph Spycher nach seiner langen Verletzungspause schnellstmöglich zu integrieren.

Ob diese Änderungen im Teamgefüge mehr Zeit benötigen, oder ob die Berner -- trotz der ebenfalls parallel verlaufenden Qualifikation für die Champions League -- bereits zum Saisonauftakt in der gewünschten Verfassung sind, wird sich gleich am Samstag im Duell mit Aufsteiger und Kantonsrivale Thun zeigen. Dem top motivierten Neuling aus dem Berner Oberland kommt das frühe Aufeinandertreffen sicherlich gelegener als dem Favoriten aus der Hauptstadt.

Zurückhaltende Thuner

Die Thuner rechnen gleich zum Auftakt im Stadion Lachen mit einer grossen Kulisse. Dies dürfte vor allem ihrer Finanzlage gut tun, weist der überraschende Aufsteiger doch mit sechs Millionen Franken das kleinste Budget der Liga aus. An der Transferfront ist das Team von Trainer-Rookie Murat Yakin denn auch dementsprechend zurückhaltend gewesen. Gespannt sein darf man auf Neuzuzug Nick Proschwitz, der letzte Saison mit Vaduz Torschützenkönig in der Challenge League wurde. Trifft er auch eine Stufe höher im gleichen Rhythmus?

Weichenstellung beim FCZ

Vor einer richtungsweisenden Saison steht der entthronte Meister Zürich. Die Champions-League-Auftritte haben den FCZ letzte Saison in der Meisterschaft deutlich vom Kurs abweichen lassen. Mit der Konsequenz, dass Meistertrainer Bernard Challandes seinen Sessel räumen musste. Der unerfahrene Nachfolger Urs Fischer steht vor der heiklen Aufgabe, den im Stolz verletzten FCZ wieder auf Kurs Richtung Europacup-Plätze zu trimmen. Als Stolperstein könnte sich das aufgeblähte Kader erweisen. Drei neue, in der Schweiz nahezu unbekannte Söldner aus Tunesien und Portugal sowie vier Nachwuchshoffnungen sollen die gewichtigen Abgänge von Abwehrchef Hannu Tihinen, Mittelfeldspieler Onyekachi "Tico" Okonkwo und Stürmer Johan Vonlanthen vergessen machen.

Neustart bei GC

Gespannt darf man sein, wie sich die beiden Überraschungsteams der letzten Saison schlagen werden. Die Grasshoppers verloren mit Gonzalo Zarate und Nassim Ben Khalifa ihre besten Offensivkräfte. Trainer Ciriaco Sforza, der die Zürcher dank einer überragenden zweiten Saisonhälfte mit einer jungen hoffnungsvollen Equipe in die Europa League geführt hat, muss nach neun Zuzügen und 13 Abgängen wieder einen Neuaufbau starten. Schafft er in seinem zweiten Jahr bei GC nochmals die grosse Überraschung?

Vorteil Gersag für FCL

Im FC Luzern kann Rolf Fringer mit dem erfolgreichen Stamm der letzten Saison weiterarbeiten. Davide Chiumiento, der nach seiner erfolgreichsten Saison in der Schweiz wieder (noch) unbekannten Ausland-Träumen nachjagt, wurde durch den aus Nürnberg in die Schweiz zurückgekehrten Daniel Gygax gleichwertig ersetzt. Mit dem wieder fitten Nelson Ferreira sowie den beiden Ausländern Benjamin Kibebe (Sd/Äth) und Thomas Prager (Ö) sollte der FCL zumindest gleich gut wie letzte Saison aufspielen können. Zum Vorteil könnte die ungeplante Verlängerung des Asyls in Emmenbrücke bis Ende Saison werden: In der kleinen, engen Gersag-Arena legten die Innerschweizer letzte Saison den Grundstein zum hervorragenden vierten Rang und der unerwarteten Europa-League-Teilnahme.

Wundertüte Sion juristisch blockiert

Vor einer ungewissen Saison steht einmal mehr die "Wundertüte" FC Sion. Der juristische Streit wegen des Transferverbots durch die FIFA absorbiert wichtige Energie und blockiert die Kaderzusammenstellung. Leidtragender könnte Trainer Bernard Challandes sein, der schon von der ersten Spielminute an auf einem Pulverfass sitzt. Neben Trainer Didier Tholot haben neun Spieler das Wallis verlassen (müssen).

Quartett im Abstiegskampf

Zu den Abstiegskandidaten müssen neben Aufsteiger Thun auch Barrage-Sieger Bellinzona, St. Gallen und Neuchâtel Xamax gezählt werden. Die Ostschweizer haben ihr Kader massiv abgespeckt und dabei auch viel Substanz (Koubsky, Costanzo, Zellweger, Merenda, Zé Vitor) verloren. Der talentierte Trainer Uli Forte wird noch stärker gefordert sein als letzte Saison, um die Abstiegsängste verfliegen zu lassen.

Xamax nach der biederen Rückrunde, die Trainer Pierre-André Schürmann letztlich den Job kostete, mit einem markanten Umbau des Kaders reagiert. Gleich elf Spieler haben die Neuenburger verlassen, die Verpflichtungen von Marcos Gelabert (FCB), Paito (Sion) und des talentierten Geoffrey Tréand (Servette) lassen die Verantwortlichen jedoch hoffen, am Saisonende nicht in den Kampf gegen den Abstieg verwickelt zu sein.

Eine schwierige Aufgabe hat Trainer Roberto Morinini bei Bellinzona vor sich. Von den Fans verschmäht und lediglich vom Präsidenten gestützt, muss er einen Topstart hinlegen, um nicht früh zum Negativthema zu werden. Er muss das Ziel Klassenerhalt mit einem neuen Kader angehen: Fünf Spieler gingen, acht Neue kamen.