FUSSBALL: ENDSPURT SÜDAFRIKA-COUNTDOWN BRASILIEN

Fussball

04.07.2010 

(Si) Brasilien hat sich von der WM in Südafrika verabschiedet. In vier Jahren ist das grösste Land Südamerikas Gastgeber des wichtigsten Fussball-Turniers. Was darf von der WM 2014 erwartet werden?

Südafrika hat in den letzten Wochen gezeigt, dass es sich gelohnt hat, der 'Regenbogennation' zu vertrauen. Die Organisatoren schlugen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten wacker. Die Einheimischen zelebrierten ein Fest. Viele Befürchtungen erwiesen sich als Luftschlösser. Die provokative Schlagzeile "Die Welt zu Gast bei Feinden" wurde auf eindrückliche Weise widerlegt. Besucher aus dem Ausland sind positiv überrascht.

Gewisse Parallelen

Man weiss nun, dass es unter bestimmten Bedingungen möglich ist, einen Sportanlass dieser Grössenordnung auf dem afrikanischen Kontinent durchzuführen. In Durban existieren bereits Pläne für Olympische Sommerspiele. Die Stadt, in der die Schweizer Nati mit dem 1:0 gegen Spanien Geschichte geschrieben hat, will den Elan der laufenden WM ausnützen. Die FIFA hat zwar das Rotationsprinzip, bei der Vergabe des wichtigsten Fussball-Turniers alle Erdteile zu berücksichtigen, abgeschafft. Doch man darf davon ausgehen, dass in absehbarer Zeit wieder in Afrika um den FIFA-WM-Pokal gespielt wird. Vielleicht in Ägypten, Ghana oder erneut in Südafrika. 2014 wird die Fussball-WM definitiv nicht in Afrika stattfinden, aber zum zweiten Mal hintereinander in einem Land, das nicht zu den hoch entwickelten Staaten dieser Erde zählt. Brasilien kämpft wie Südafrika mit gewissen Problemen infrastruktureller oder krimineller Natur. Mancherorts herrschen Zustände, wie man sie aus der 'Dritten Welt' kennt. Übertriebene Befürchtungen dürften jedoch fehl am Platz sein. Nirgendwo können sich die Leute derart für Fussball begeistern wie in Brasilien. Mit diesem Sport beschäftigt man sich am Zuckerhut von Kindesbeinen an. Brasilien war schon 1950 Gastgeber.

Beträchtliche Distanzen

Im Gespräch mit brasilianischen Journalisten werden einem Gründe geliefert, die für die WM 2014 optimistisch stimmen. Der Tenor ist, man wolle sich zwar nicht anmassen, sich mit der perfekten Organisation von 2006 in Deutschland zu vergleichen, aber man werde wohl ein gutes Niveau bieten können. Der öffentliche Verkehr beispielsweise sei besser ausgebaut als in Südafrika. Es gäbe funktionierende Bus-Systeme und U-Bahn-Netze. Der Transport dürfte eine der bedeutendsten Herausforderungen sein für Brasilien. Das Land weist die rund siebenmal grössere Fläche als Südafrika auf. Unter den zwölf Ausrichter-Städten gibt es teilweise enorme Distanzen. Vom nordwestlichen Manaus am Amazonas bis zum südlichen Zipfel mit Porto Alegre sind es per Flugzeug etwa 3200 Kilometer. Zwischen diesen beiden Destinationen ist zudem mit einem erheblichen Klima-Unterschied zu rechnen. Ein TV-Reporter erklärt, man würde in Porto Alegre 20 Grad tiefere Temperaturen messen können, während es in Manaus gleichzeitig schwül und heiss sein werde.

Fragezeichen wegen den Stadien

Kopfzerbrechen bereitetet den Brasilianern die Situation bezüglich den Stadien. Journalist Paulo Passos drückt es drastisch aus: "Derzeit ist das beste Stadion in Brasilien so gut wie das schlechteste in Südafrika. Von einer Arena wie Soccer City in Johannesburg können wir nur träumen." Einige Spielstätten müssen noch errichtet, andere stark modernisiert werden. Die Verantwortlichen sind im Verzug." Ausgerechnet in São Paulo, das als Wirtschaftszentrum des Landes gilt und eine der bevölkerungsreichsten Metropolen der Welt ist, droht ein Fiasko. Das Morumbi-Stadion wurde vor knapp drei Wochen für WM-untauglich befunden. Es sollen finanzielle Garantien für die Renovierung des Bauwerks gefehlt haben. Ob es in São Paulo eine Alternative gibt, ist offen. Eine Fussball-WM in Brasilien ohne São Paulo? Schwer vorstellbar, aber ein plausibles Szenario.