02.07.2010
(si) "Wir wollen Geschichte schreiben", sagten die beiden Trainer Gerardo Martino und Vicente Del Bosque unabhängig voneinander vor dem dritten WM-Duell der beiden Länder. 1998 hatten sich die Teams in St. Etienne in der Vorrunde torlos getrennt, vier Jahre später siegte Spanien im südkoreanischen Jeonju ebenfalls in der Vorrunde dank zwei Treffern von Fernando Morientes 3:1. Bereits damals mit dabei waren Roque Santa Cruz und Carlos Bonet sowie Iker Casillas und Carles Puyol.
Für beide Teams wäre die Qualifikation für die Halbfinals eine Premiere. Paraguay spielt bei seiner achten WM-Teilnahme das erfolgreichste Turnier der Geschichte. Nie zuvor kam die "Albirroja" über die Achtelfinals hinaus. Spanien belegte zwar 1950 an der Endrunde in Brasilien Platz 4, damals wurde die Finalrunde aber nicht im K.o.-System gespielt.
Paraguay vermochte in Südafrika vor allem in der Defensive zu überzeugen. Gegen Italien, die Slowakei, Neuseeland und Japan liessen die Südamerikaner nur einen Treffer zu, Torhüter Justo Villar ist seit 327 Minuten ohne Gegentor. Wenig in Erscheinung trat dafür die vor dem Turnier vielgelobte Offensive Paraguays. Noch keiner der vier Europa-Legionäre Lucas Barrios, Nelson Valdez (beide Dortmund), Oscar Cardozo (Benfica Lissabon) und Roque Santa Cruz (Manchester City) trafen bisher ins Netz.
Trotz Ladehemmung im Angriff befindet sich das Binnenland, das von Argentinien, Bolivien und Brasilien umgeben wird, im Ausnahmezustand. Tausende von Menschen feierten in den Strassen von Asuncion den Sieg im Penaltyschiessen gegen Japan überschwänglich, Präsident Fernando Lugo ordnete eine Party an und gab den Staatsangestellten einen halben Tag frei. Berühmt bei den Fan-Festen wurde auch Larissa Riquelme. Die freizügigen Bilder des Models gingen um die Welt. Sollte Paraguay gegen Spanien erneut für Furore sorgen, versprach Riquelme, auch die letzten Hüllen fallen zu lassen.
Dank ihrem unerschütterlichem Glauben soll das paraguayanische Märchen in Südafrika auch gegen Spanien weitergehen. "Die besten Partien haben wir immer gegen grosse Mannschaften gemacht", sagte Valdez vor dem Aufeinandertreffen mit dem Europameister. "Wir haben nichts zu verlieren, und das wird vielleicht unsere Waffe sein."
Del Bosque hat Vertrauen
Im Gegensatz zu Paraguay steht für Spanien viel auf dem Spiel. Obwohl sich die "Seleccion" in das Turnier zurückgekämpft und sich in den Härtetests gegen Chile und Portugal keine Blösse gegeben hat, würde dem Team in der Heimat ein Ausrutscher gegen den krassen Aussenseiter wohl nicht verziehen werden. Gegen Paraguay will Spanien auch den Fluch aus der Vergangenheit besiegen. Bereits vier Mal scheiterte die "Furia Roja" an einer WM-Endrunde in den Viertelfinals.
Ein Grossteil der Diskussionen im spanischen Lager der letzten Tage drehte sich um Stürmer Fernando Torres. "El Niño" konnte gegen Portugal auch in seinem dritten Spiel von Beginn an nicht überzeugen. Ganz im Gegensatz zu seinem Ersatz Fernando Llorente. Erst nach der Hereinnahme des Bilbao-Stürmers begann Spanien die Partie gegen Portugal zu dominieren. "Die Perfektion wurde erreicht, als Torres vom Platz musste", schrieb die Zeitung "Marca".
Trotzdem hält Del Bosque weiter am Liverpool-Stürmer fest. "Er ist unser Stürmer. Wir vertrauen ihm voll und ganz", so der 59-Jährige. Auch David Villa, mit vier Treffern der überragende Spanier an dieser WM, nahm seinen Partner in Schutz. "Wir alle wissen, dass Fernandos Moment bei dieser WM noch kommen wird. Vielleicht schon gegen Paraguay." Ob mit oder ohne Torres, für Carles Puyol ist klar, dass Spanien in den Halbfinal einziehen wird: "Diese Chance müssen wir nützen. Wer weiss, wann sie wiederkommt."