01.07.2010
(Si) Mit Ghana kann heute Freitag in Johannesburg (20.30 Uhr)erstmals in der Geschichte ein afrikanisches Land in einen WM-Halbfinal einziehen. Gegen den zweifachen Weltmeister Uruguay können die "Black Stars" auf die Unterstützung eines ganzen Kontinents zählen.
Der Gastgeber Südafrika hat die Ghanaer längst in sein Herz geschlossen. "Die Shooting Stars werden mit der Hilfe von ganz Afrika Historisches vollbringen", schrieb die Johannesburger Zeitung "The Citizen". Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela lud das Team für Samstag zum Dinner ein. Und auch Thabo Mbeki, 1999 Mandelas Nachfolger als Präsident, übermittelte dem ghanaischen Verband die besten Wünsche: "Ich bin sicher, dass Millionen Südafrikaner hinter euch stehen werden."
Die "Rainbow-Nation" verteilte im ganzen Land ghanaische Fahnen, die Regierungspartei ANC schlug vor, die "Black Stars" sollten nun "Black Stars of Africa" heissen. Auch ehemalige Grössen wie Roger Milla, Kalusha Bwalya oder George Weah sympathisieren mit den Westafrikanern. Er sehe sein Team sogar im Final, sagte Abedi Pelé, der frühere Star Ghanas. Im Halbfinal würde mit Brasilien oder Holland allderdings ein noch grösser Brocken als Uruguay warten.
Das ghanaische Team ist sich der Bürde bewusst, die es heute im Soccer City zu tragen hat. "Wir siegen für Afrika", sagte Kevin Prince Boateng, einer der Leistungsträger im Team und Schütze des ersten Treffers beim 2:1 gegen die USA im Achtelfinal. Für die Partie gegen die Südamerikaner ist der in Berlin aufgewachsene Boateng nach einer Oberschenkelverletzung rechtzeitig wieder fit.
Fehlen werden die gesperrten Andre Ayew, der Sohn Abedi Pelés, und Jonathan Mensah, der gegen die USA einen schwachen Tag eingezogen hatte. Erneut in der Startaufstellung dürfte Samuel Inkoom stehen. Nachdem der Basler in der Vorrunde nie gespielt hatte, kam er gegen die USA im rechten Mittelfeld erstmals zum Einsatz.
Trotz der hohen Erwartungen lässt sich Ghanas Coach Milovan Rajevac nicht unter Druck setzen: "Mit dem Einzug in die Viertelfinals hat die Mannschaft bereits Geschichte gschrieben." Der Serbe, der 2008 die "Black Stars" überraschend übernommen hatte, ist der Baumeister der jüngsten Erfolge. Bereits am Afrika Cup zu Beginn des Jahres erreichte Ghana den Final. Den 56-Jährigen zeichnet vor allem seine Sozialkompetenz aus. Er habe für eine positive Stimmung im Team gesorgt, lobte Asamoah Gyan, mit drei Treffern bester Torschütze Ghanas, seinen Chef.
Uruguay: Konfrontation mit der Geschichte
Für Uruguay ist das erste Duell mit Ghana das wichtigste Spiel der jüngeren Vergangenheit. 1970 hatte sich die "Celeste" letztmals für die besten Vier an einer Endrunde qualifiziert. Die ganz grossen Erfolge des Landes am Rio de la Plata liegen noch viel länger zurück. 1924 und 1928 wurde Uruguay Olympiasieger, 1930 und 1950 Weltmeister. "Wir müssen die Historie ruhen lassen und nach vorne blicken", sagte Diego Forlan.
Das Team von Oscar Tabarez überzeugte in Südafrika bisher mit mannschaftlicher Geschlossenheit. Der 1:1-Ausgleich im Achtelfinal gegen Südakorea war der einzige Gegentreffer, den die Südamerikaner, die sich in der Qualifikation erst in der Barrage gegen Costa Rica durchgesetzt hatten, bisher zulassen mussten. Gegen Ghana fehlt allerdings Innenverteidiger Diego Godin, der an einer Oberschenkelverletzung laboriert.
Im Gegensatz zu früheren Endrunden, als Uruguay in erster Linie durch sein defensives Bollwerk und seine Härte auffiel, verfügen die "Himmelblauen" an diesem Turnier auch über grosse Qualitäten in der Offensive. Forlan (Atletico Madrid) und Daniel Suarez (Ajax Amsterdam) zeichneten bisher für fünf der sechs Treffer verantwortlich. Der dritte gefährliche Stürmer ist Edison Cavani (Palermo).
"Wir sind bereit, den nächsten Schritt zu machen", sagte Suarez, der Doppeltorschütze beim 2:1 im Achtelfinal gegen Südkorea. Dem 23-Jährigen wird eine grosse Karriere zugetraut. Manchester United, Chelsea und Barcelona sollen sich bereits nach der Nummer 9 erkundigt haben. Momentan gilt die Konzentration von Suarez aber dem weiteren Turnierverlauf. "Ab jetzt visieren wir den Titel an", liess er nach der Viertelfinal-Qualifikation verlauten. Und auch der sonst so ruhige Tabarez sagte: "Es gibt hier keinen Gegner, der für uns unschlagbar ist."