23.06.2010
(si) Der Schweizer Nationalcoach sieht eine Erklärung für das ungewöhnliche Schweigen von Frei in der grossen Enttäuschung seines Captains nach der erneuten Verletzung unmittelbar vor dem Abflug nach Südafrika: "Danach konzentrierte er sich voll auf die schnelle Rehabilitation und hat intensiv trainiert." Innerhalb des Teamgefüges habe sich Frei jedoch nicht zurückgezogen, sondern "sehr viel mit uns gesprochen, nicht nur mit mir, sondern auch mit den Mitspielern." Alex habe seine Verantwortung als Captain innerhalb der Mannschaft stets wahrgenommen.
Hitzfeld versteht, dass Frei nur mit den Journalisten sprechen wolle, wenn er auch spielen könne. "Vor dem Chile-Spiel ist mein Entscheid erst sehr spät gefallen, mit Frei zu spielen. Es war also am Vorabend noch nicht klar, ob er dabei sein würde." Der Teamchef kündigte gestern nun aber an, dass sein Captain am Donnerstag vor die Medien treten und sprechen werde. Bedeutet dies demnach, dass Frei gegen Honduras wieder in der Startformation stehen wird?
Hierzu gab es am Mittwoch keine verlässliche Aussage von Hitzfeld. Beordert er Frei nur wegen den heftigen Medien-Protesten zur Pressekonferenz am Donnerstagabend im Stadion von Bloemfontein, oder hat er sich bereits entschieden, seinem Captain eine weitere Chance zu gewähren? Hitzfeld: "Ich gebe meine Aufstellung wie immer erst am Spieltag bekannt und teile sie auch erst dann der Mannschaft mit."
Wird Frei wieder den Vorzug gegenüber Eren Derdiyok erhalten oder verzichtet Hitzfeld gegen die Honduraner am Freitag für einmal auf Blaise Nkufo? Diesen hatte er jedoch schon gegen Chile im Spiel gelassen und stattdessen Frei nach lediglich 42 Minuten aus taktischen Gründen wieder vom Feld geholt. Weshalb Frei und nicht Nkufo? Hitzfeld: "Nkufo verfügte über mehr Spielpraxis, Frei dagegen hatte ich ins kalte Wasser geworfen. Als wir dann nur noch zehn Spieler auf dem Platz hatten, war es für Frei noch schwieriger, wieder Tritt zu fassen, da es ja sein erstes Spiel war."
Es sei für ihn klar gewesen, Nkufo im Spiel zu behalten. Der Twente-Stürmer habe sich gegen Spanien im Laufe des Spiels enorm gesteigert, er könne die Bälle halten, sei kopfballstark und deshalb sowohl im eigenen Abwehrbereich, als auch bei Standard-Situationen wertvoll.
Gegen Honduras steht nun aber eine komplett andere Partie bevor. Erstmals muss die Schweiz die Offensive forcieren, muss sie sich viele Torchancen erarbeiten und so viele Strafraum-Szenen wie möglich schaffen. Für wen diese Ausgangssituation spricht, sagte Hitzfeld noch nicht. "Wir werden noch einige Varianten ausprobieren in den Trainings, doch es bleibt nicht mehr viel Zeit dafür. Die Spieler müssen vor allem regenerieren und sich erholen. Ich kann keine intensiven Trainings-Spielchen mehr ansetzen. Vielmehr muss ich die Spieler gut beobachten. Wer hat sich besser erholt, wer ist noch müde? Schliesslich aber bedeutet es dieses Mal für mich mehr Kopfarbeit. Und dann hoffe ich, am Freitag den richtigen Entscheid zu treffen."
Wie ein Champions-League-Halbfinal
Das Honduras-Spiel sei für ihn als Trainer von der Bedeutung her wie ein Halbfinal in der Champions League. "Wir hatten uns als grosses Ziel die Achtelfinals gesetzt, jetzt können wir diese gegen Honduras erreichen. Das wird eine unglaublich spannende Partie auch für mich als Trainer. Ich freue mich immer auf solche Spiele. Weil man so viel gewinnen und den entscheidenden Schritt ins Ziel machen kann", beschrieb der Schweizer Coach seine persönliche Gemütslage.
Er wollte am Mittwoch aber noch nicht über den nächsten Schritt hinausblicken. Hitzfeld: "Ich gehe jetzt nur davon aus, dass wir die Achtelfinals mit einem Sieg über Honduras erreichen. Auf wen wir dann treffen, ist mir jetzt noch egal. Die ganze Konzentration darf nun nur Honduras gelten."