FUSSBALL: WM-REKORD FÜR SCHWEIZER DEFENSIVE

Fussball

21.06.2010 

(Si) Der Eintrag in den WM-Geschichtsbüchern war ein schwacher Trost für die Schweizer Niederlage gegen Chile. Mark Gonzalez' Siegtor zum 1:0 war der ersten Schweizer WM-Gegentreffer seit 559 Minuten, was Rekord bedeutet.

Die bisherige Bestmarke von Italien (550 Minuten) verbesserte die SFV-Auswahl um neun Einheiten. Gonzalez war der erste Spieler seit dem Spanier Txiki Beguiristain am 2. Juli 1994, der einen Schweizer WM-Goalie bezwang. Letzter Keeper, der hinter sich greifen musste, war in der 86. Minute des Achtelfinals beim 0:3 vor 16 Jahren Marco Pascolo gewesen. 2006 in Deutschland hatte Pascal Zuberbühler in den Gruppenspielen gegen Frankreich, Togo und Südkorea ebenso zu Null gespielt wie im Achtelfinal gegen die Ukraine; die Tore im Penaltyschiessen zählen nicht zur Statistik. Zu den 390 Minuten (Verlängerung gegen die Ukraine inklusive) kommen Pascolos vier Minuten im WM-Achtelfinal 1994, Benaglios Shutout 2010 beim 1:0 gegen Spanien und die gestrigen 75 gegen Chile. Macht also 559 Minuten ohne Gegentor. Italien war zwischen dem Achtelfinal 1986 (0:2 gegen Frankreich/Yannick Stopyra) und dem Halbfinal 1990 gegen Argentinien (1:1/Claudio Caniggia) während 550 Minuten unbezwungen geblieben, Rang 3 im Ranking nimmt England (501 Minuten zwischen ersten Vorrundenspielen 1982 und 1986) ein.

Das Schweizer Nationalteam brockte sich für das entscheidende WM-Gruppenspiel eine schwierige Ausgangslage ein. Sie verlor in Port Elizabeth gegen Chile 0:1 und dazu Valon Behrami nach etwas mehr als einer halben Stunde durch eine höchst umstrittene rote Karte. Um die erste K.o.-Runde aus eigener Kraft (also ohne das Ergebnis bei Spanien - Chile) zu erreichen, muss die Schweiz am Freitag gegen Honduras mit zwei Toren Unterschied gewinnen. Den entscheidenden Treffer kassierte die Schweiz in der 75. Minute, an Entstehung (wohl aus einer Offside-Position) und Ausführung waren zwei chilenische Joker beteiligt. Nach einer weiten Flanke von Esteban Paredes stand Mark Gonzalez, auch er zur Pause eingewechselt, ungedeckt im Schweizer Strafraum und köpfelte via Lattenunterkante zum 1:0 ein. Der Mittelfeldspieler von ZSKA Moskau belohnte Chile, das die Schweizer Abwehr mit seinem ungewöhnlichen 3-1-3-3-System teils massiv und überfallartig unter Druck setzte, für seine Bemühungen.

Die schönste Kombination der Partie über Ziegler, Bunjaku und Derdiyok führte in der 90. Minute, unmittelbar nach der grossen Chance durch Paredes auf der Gegenseite, beinahe noch zum Schweizer Ausgleich. Der eingewechselte Derdiyok schob aber den Ball am Tor vorbei. "Ich wollte schon jubeln, er hatte Zeit und konnte sich die Ecke aussuchen", sagte Trainer Hitzfeld im TV-Interview. Gross war neben der Enttäuschung über den verpassten Punktgewinn vor allem der Ärger über den Schiedsrichter. Khalil Al Ghamdi aus Saudi-Arabien stellte sich in der 31. Minute (nicht zum ersten Mal) selber in den Mittelpunkt, indem er Valon Behrami die rote Karte zeigte. Selbst mehrfache Ansichten der TV-Bilder zeigten klar auf, dass Behrami den Ellbogen zwar am Körper von Gegenspieler Arturo Vidal hatte, es aber nie zu einer Tätlichkeit kam. Gelb gegen Behrami und auch gegen Schauspieler Vidal wäre der richtige Entscheid gewesen. Nach Behramis Ausschluss, dem ersten in der Schweizer WM-Geschichte, wurde die Taktik von Trainer Ottmar Hitzfeld über den Haufen geworfen. Der ebenfalls in die Startformation gerückte Captain Alex Frei (für Eren Derdiyok) wurde kurz vor der Pause ausgewechselt, seinen Platz nahm ab dann Tranquillo Barnetta ein. Barnetta hatte seinerseits nach dem Sensationssieg gegen Spanien für Behrami weichen müssen.

Chancen konnte sich die Schweiz mit Ausnahme von Derdiyoks "Matchball" weder vor noch nach dem Platzverweis keine Chancen erspielen. Die besten Möglichkeiten für Chile machte Goalie Diego Benaglio mit sicheren Interventionen gegen Vidal, Carmona (beide 10.) und Sanchez (40./55. nach Ballverlust Grichting als hinterster Mann) zunichte.