21.06.2010
(Si) Ab Dienstag geht das grosse Rechnen wieder los: Wem reicht beim dritten und letzten Spieltag der Vorrunde welches Resultat, um die WM-Achtelfinals zu erreichen? Erst zwei Teams, Holland und Brasilien, stehen bereits fix in der nächsten Runde.
In der Gruppe A begegnen sich um 16.00 Uhr in Rustenburg Mexiko und Uruguay. Eines der beiden latein-amerikanischen Länder wird die Achtelfinals mit Sicherheit erreichen, vermutlich aber schaffen es beide. Denn Frankreich und Südafrika, die sich gleichzeitig in Bloemfontein duellieren, liegen in der Tabelle drei Zähler zurück. Noch schwerer wiegt für Franzosen und Südafrikaner die Tordifferenz, die im Fall der Punktgleichheit über das Weiterkommen entscheiden würde. Uruguay steht aktuell mit +3 zu Buch, Mexiko mit +2, Frankreich dagegen mit -2 und Südafrika gar mit -3. Wie schwer die Aufgabe ist, zeigt eines von vielen Beispielen: Verliert Mexiko gegen Uruguay 0:2, bräuchte Frankreich einen 3:0-Erfolg gegen Südafrika. Trennen sich Mexiko und Uruguay aber unentschieden, nützt Frankreich oder Südafrika auch ein Kantersieg nichts. Dass es zu einer Art Absprache unter den Lateinern kommt, scheint aber trotzdem wenig wahrscheinlich. Der Gruppenzweite wird es in den Achtelfinals mit dem Gewinner der Poule B zu tun bekommen, und der wird mutmasslich Argentinien heissen. Uruguay befindet sich vor dem Match gegen Mexiko in einer besseren Ausgangslage. Den 'Urus', die seit 1990 nie mehr die WM-Achtelfinals erreichten, reicht ein Remis zum Gruppensieg.
Die Mexikaner stehen vor ihrer fünften Achtelfinal-Qualifikation in Folge. Doch dort war zuletzt stets Endstation. Das droht ihnen auch diesmal, wenn sie nicht den Gruppensieg erringen. "Argentinien als Achtelfinal-Gegner fürchten wir nicht", sagt zwar ihr 37-jähriger Oldie Cuauthemoc Blanco, "aber wir werden gegen Uruguay dennoch nicht auf Unentschieden spielen. Wir lieben es zu gewinnen." Trainer Javier Aguirre, vor 24 Jahren in einem Freundschafts-Länderspiel gegen Uruguay Torschütze zum 1:0-Sieg, muss allerdings zwei Spieler ersetzen. Stürmer Carlos Vela steht wegen einer Becken-Verletzung nicht zur Verfügung, Mittelfeldspieler Efrain Juarez ist gesperrt. Uruguays Coach Oscar Tabarez hat angekündigt, mit derselben Elf anzutreten, die zuletzt Südafrika 3:0 geschlagen hat.
Not vs. Elend
Im Gastgeberland und in Frankreich sind die Meinungen schon vor dem letzten Auftritt gemacht, in beiden Ländern sieht man den Vergleich als Not gegen Elend. Spielerisch limitierte Südafrikaner gegen peinlich auftretende Franzosen; Kredit geniessen beide keinen mehr. Vor allem der französische Fussball erlebt derzeit die schwerste Krise seiner Geschichte. Präsident Nicolas Sarkozy nannte es "inakzeptabel", die Grande Nation versinkt nach der Affäre um Stürmer Nicolas Anelka vor Scham im Boden.
Anelka, der Trainer Raymond Domenech so übel beschimpft hatte, befindet sich nach seinem Rauswurf inzwischen wieder in Europa, doch nach einem Trainingsstreik der Spieler und dem Rücktritt des Delegationschefs brodelte es weiter. Auf Anordnung von Präsident Sarkozy verlängerte Sportministerin Roselyn Bachelot ihren Aufenthalt in Südafrika. Sie soll dem Chaos ein Ende setzen. Einigermassen in Würde muss der Schlusspunkt über die Bühne gehen. Denn was die französische Elf sportlich noch zu bieten hat, scheint niemanden mehr zu interessieren. Die öffentliche Meinung findet alles nur noch grauenvoll bis erbärmlich. Die Krise der Franzosen könnte eigentlich die Chance für Südafrika sein, aber auch am Kap sind die guten Hoffnungen längst dahin, die Fans glauben nicht mehr an ihr Team. "Madiba: Sorg für ein Wunder", flehte die Sunday Times. Volksheld Nelson Mandela soll es richten. Doch diese Mission dürfte selbst für den Friedensnobelpreisträger zu gross sein. Deshalb steht auch für den Gastgeber, dem als erster Ausrichter überhaupt das Vorrunden-Out droht, ein versöhnlicher Abgang im Vordergrund. Die Fans sind aufgefordert, nochmals alles zu geben und kräftig in die Vuvuzela zu blasen. "Wir wollen gut spielen und den Fans gut in Erinnerung bleiben", sagt Mittelfeldspieler Teko Modise, "wenn wir nicht weiterkommen sollten, wollen wir wenigstens mit erhobenem Haupt vom Platz gehen."
Mexiko - Uruguay (Gruppe A)
16.00 Uhr. -- Royal Bakofeng, Rustenburg. -- SR Kassai (Un).
Mexiko: 1 Perez; 5 Osorio, 15 Moreno, 2 Rodriguez, 3 Salcido; 18 Guardado, 4 Marquez, 6 Torrado; 17 Giovani dos Santos, 9 Franco, 7 Barrera.
Uruguay: 1 Muslera; 16 Maximiliano Pereira, 2 Lugano, 3 Godin, 4 Fucile; 17 Arevalo Rios, 15 Perez, 11 Alavaro Pereira; 9 Suarez, 10 Forland, 7 Cavani.
Bemerkungen: Mexiko ohne Vela (verletzt) und Juarez (gesperrt).
Frankreich - Südafrika (Gruppe A)
16.00 Uhr. -- Free State, Bloemfontein. -- SR Ruiz (Kol).
Frankreich: 1 Lloris; 2 Sagna, 17 Squillaci, 3 Abidal, 13 Evra; 8 Gourcuff, 18 Diarra, 15 Malouda; 11 Gignac, 12 Henry, 7 Ribéry.
Südafrika: 1 Josephs; 5 Ngcongca, 20 Khumalo, 4 Mokoena, 15 Thwala; 23 Khuboni, 6 Sibaya; 11 Modise, 10 Pienaar, 8 Tshabalala; 9 Mphela.
Bemerkungen: Frankreich ohne Anelka (nach Hause geschickt) und Toulalan (gesperrt), Südafrika ohne Khune und Dikgacoi (beide gesperrt).
Griechenland - Argentinien (Gruppe B)
20.30 Uhr. -- Peter Mokaba, Polokwane. -- SR Irmatow (Usb).
Griechenland: 12 Tzorvas; 11 Vyntra, 19 Papastathopoulos, 16 Kyrgiakos, 8 Papadopoulos, 15 Torosidis; 21 Katsouranis, 10 Karagournis; 14 Salpingidis, 17 Gekas; 7 Samaras.
Argentinien: 22 Romero; 15 Otamendi, 2 Demichelis, 4 Burdisso, 3 Clemente Rodriguez; 20 Maxi Rodriguez, 5 Bolatti, 8 Veron; 10 Messi; 19 Milito, 16 Agüero.
Bemerkungen: Griechenland ohne Moras (verletzt), Argentinien ohne Gutierrez (gesperrt).
Nigeria - Südkorea (Gruppe B)
20.30 Uhr. -- Moses Mabhida, Durban. -- SR Benquerenca (Por).
Nigeria: 1 Enyeama; 17 Odiah, 2 Yobo, 6 Shittu, 3 Taiwo; 11 Odemwingie, 20 Etuhu, 15 Haruna, 19 Obasi; 8 Yakubu, 9 Martins.
Südkorea: 18 Jung; 22 Cha, 12 Lee Young-Pyo, 4 Cho, 14 Lee Jung-Soo; 7 Park Ji-Sung, 8 Kim Jung-Woo, 16 Ki, 17 Lee Chung-Yong; 10 Park Chu-Young, 20 Lee Dong-Guk.
Bemerkungen: Nigeria ohne Kaita (gesperrt).