FUSSBALL: DIEGUITOS WM-COMEBACK

Fussball

12.06.2010 

(Si) Der Name ist Unterhaltungsprogamm: Diego Armando Maradona inszenierte seine WM-Rückkehr mit einem 1:0-Erfolg gegen Nigeria. Der Weltmeister von 1986 hat offenbar noch immer einen Draht zur höchsten Instanz: "Ich danke Gott. Der Startsieg bringt uns etwas Ruhe."

Mitten auf dem Rasen jubelte ein 49-Jähriger, der eigentlich Coach, aber am liebsten ein ewiger Spieler wäre: Maradona zelebrierte Gabriel Heinzes Treffer minutenlang. Der frühen und ausschweifenden Jubelpose folgte die fast unendliche Leidenszeit des einstigen Ballzauberers mit seiner "Albiceleste". Der Anfang ist gelungen. Geniale Schachzüge benötigte Diego dafür nicht. Die Qualität der Equipe genügte gegen Nigerias Hoffnungsträger. Der Zeremonien-Meister an der Linie setzte stattdessen auf Passion und die wohl beeindruckendste Offensive aller WM-Teilnehmer. So will "El Pibe de Oro" seine Equipe in den ersten Final seit 1990 führen.

Das Comeback im Zwirn

Im schicken Massanzug (gemäss italienischen Recherchen auf Wunsch seiner Töchter) kehrte "El Diez" auf jene Bühne zurück, von der er 16 Jahre zuvor mit Schimpf und Schande vertrieben worden war. Beim 2:1-Erfolg gegen Nigeria hatte er im Juni 1994 ein letztes Mal im Match-Trikot der Gauchos gejubelt. Wenige Tage später flog auf, dass Maradona einen Doping-Cocktail konsumiert hatte. Gegen Nigeria schloss sich nun der Kreis. Ungezählte Skandale, Abstürze, Hochs und Depressionen später stand Diego wieder auf einem heiligen WM-Rasen. Nicht mehr in kurzen, sondern in eleganten Hosen. Das erste Blitzlicht im Ellis Park gehörte allein ihm. Auf ihn hatten die Fotografen gewartet, nicht auf das Starensemble mit Weltfussballer Messi an der Spitze.

Maradona genoss das WM-Comeback. Nach einer dreifachen Bekreuzigung näherte sich die schillerndste Trainerfigur der Welt ein erstes Mal der Seitenlinie. Während Sekunden wippte die einst beste Nummer 10 mit. Er spielt nicht mehr, aber denkt wohl noch immer wie ein Spieler. Das Lamento beim ersten umstrittenen Pfiff inszenierte "Dieguito" wie zur eigenen Blütezeit auf dem Feld. Verpassten Chancen trauerte er gestenreicher als alle anderen nach. Diego sprang, stampfte, tänzelte, ruderte mit den Händen, forderte Verwarnungen. Die Coachingzone war für das Spektakel des Freistil-Trainers viel zu knapp bemessen -- wobei sich der "Göttliche" ja ohnehin noch nie an irdische Grenzen gehalten hat. Und wenn Maradona einmal kurz in sich kehrte, verschränkte er die Arme in der Art eines Feldherrn. Die Haltung hing ganz vom Auftritt seiner Spieler ab. Ein Fehlschuss Messis löste bereits die nächste Eruption von Maradona aus. Für taktische Finessen sind seine Assistenten Mancuso und Enrique zuständig. Der Chef-Trainer ist erster Unterhalter und ranghöchster Fan.