11.06.2010
(si) In den Tagen der Unsicherheit um den WM-Einsatz von Alex Frei ist dessen mutmasslicher Ersatz Eren Derdiyok ein gefragter Mann. Als der Stürmer von Bayer Leverkusen am Freitag vor die Medien trat, war er ganz der loyale Teamplayer. "Niemand liebt es, wegen einer Verletzung eines anderen in die Startformation zu rücken. Ich hoffe deshalb, dass Alex Frei gegen Spanien fit ist. Aber ich wäre bereit!", so Derdiyok.
Beim WM-Start von Beginn weg dabei zu sein, wäre für den Basler ein verspätetes Geburtstagsgeschenk. Heute Samstag feiert er seinen 22. Geburtstag. Derdiyok ist damit der zweitjüngste Spieler im Schweizer WM-Kader. Doch erlebt hat er schon einiges. Er schoss bei seinem Nati-Debüt im Londoner Wembleystadion ein sehenswertes Tor, blickt bereits auf eine EM-Teilnahme zurück und absolvierte schon eine Saison in der deutschen Bundesliga.
Was Derdiyok fehlt, ist aber eine Hauptrolle in der SFV-Auswahl. Das Tor in England am 6. Februar 2008 weckte Erwartungen, die Derdiyok im Nationalteam in der Folge nicht erfüllen konnte. Er blieb ein Ersatzspieler, der bei seinen Teileinsätzen selten überzeugte. In der WM-Qualifikation erzielte er zwar ein wichtiges Tor in Lettland, doch den Weg nach Südafrika ebneten Blaise Nkufo und Alex Frei mit je fünf Treffern. Deshalb ist für Derdiyok klar: "Sie sind die Stammspieler, sie haben sich das verdient. Ich bin die Nummer 3."
Doch die Nummer 3 hat auch Chancen aufzusteigen, das weiss Derdiyok. An der misslungenen Heim-EM vor zwei Jahren rückte er nach dem Bänderriss von Alex Frei im Auftaktspiel in die Startformation auf. Gegen die Türkei bereitete er das Führungstor von Hakan Yakin vor. Es war der Treffer, der die Schweizer Hoffnungen kurzzeitig befeuerte, etwas mehr als eine Stunde und zwei Gegentore später war die SFV-Auswahl aber ausgeschieden.
Nach seinem Transfer vom FC Basel in die Bundesliga war Derdiyok auch in Leverkusen zunächst bloss eine Ersatzrolle zugedacht. Aber dann erlitt der deutsche Internationale Patrick Helmes in der Sommerpause beim Kick in der Badi einen Kreuzbandriss und lancierte damit Derdiyoks Bundesliga-Karriere ungewollt. Als Stammspieler schoss der Schweizer in den ersten 26 Spielen 12 Tore. Solange Derdiyok traf, lag Leverkusen an der Spitze. In den letzten acht Partien kam er nicht mehr auf Touren und Leverkusen stürzte auf Platz 4 ab.
"Hätte ich vier, fünf Tore mehr erzielt, würde man mich anders wahrnehmen", so Derdiyok. Das ist wahr: Der Bosnier Edin Dzeko (Wolfsburg/22 Tore) wird von der europäischen Prominenz gejagt und hat seinen Marktwert auf rund 40 Millionen Euro erhöht. Derdiyoks Teamkollege Stephan Kiessling (21) steht im WM-Kader des dreifachen Weltmeisters Deutschland. Und Lucas Barrios, Alex Freis Nachfolger bei Borussia Dortmund, wurde in Paraguay in diesem Frühjahr eilends eingebürgert, um den Sturm der Südamerikaner an der WM verstärken zu können. Sie alle stünden im Schweizer Nationalteam wohl in der Startformation. Auch ohne die Verletzung von Alex Frei.