25.05.2010
(Si) Das Schweizer Nationalteam hat in Crans-Montana das noble Quartier zur zweiwöchigen WM-Vorbereitung bezogen. In der Walliser Höhenlage stehen diverse taktische und physische Lektionen im chargierten Trainingsprogramm.
Der 1500 m über Meer gelegene Kurort ist im Frühsommer speziell für passionierte Golfsportler mehr als nur ein Insidertipp und jährlich Schauplatz des "European Masters". Für einmal stehen aber Millionäre mit kurzen Hosen auf dem "Green" respektive Rasen.
Im Fokus der "Bergstadt" stehen in den kommenden 13 Tagen die besten Fussballer der Schweiz. Am frühen Mittag rollte der rot-weisse Car mit den 23 Spielern an Bord vor dem "Royal" an. Auf der Strasse zum Fünfsterne-Hotel schwenkten Schulkinder zur herzlichen Begrüssung der Stars euphorisch ihre Fähnchen.
Die Veranstalter inszenierten die Ankunft der WM-Equipe als eigentlichen "Alpaufzug" -- sogar Kühe trabten hinter dem Bus her. Mehr Spektakel wünschte sich die SFV-Delegation nicht. Das Team wird abgeschirmt. Chef-Stratege Ottmar Hitzfeld will sich ungestört auf den Höhepunkt des Jahres vorbereiten.
Im Vergleich zur Ära unter Köbi Kuhn sind die Abläufe rund um die Landesauswahl spürbar strikter geregelt. Nichts soll die Mannschaft vom Wesentlichen ablenken. Das Nationalteam von Algerien, das für die WM-Vorbereitung seit über einer Woche ebenfalls in Crans-Montana logiert, schottet sich weniger ab. Täglich wurde sogar das Hotel von Fans besucht.
Der Respekt des Trainers
Hitzfeld hingegen mag keine "Ferienstimmung" aufkommen lassen. Der zweifache Champions-League-Sieger kennt den Wert der Detailpflege auf hohem internationalen Niveau. Und der Deutsche hat vor seiner WM-Premiere Respekt: "Das ist sehr speziell. Wir sind lange unterwegs. Zudem wird es in Südafrika kalt sein und früh dunkel. Das wird auch für mich eine grosse Belastung sein."
Für das leibliche Wohl der Schweizer ist wie immer in den letzten Jahren Emil Bolli verantwortlich. Derzeit ist er wegen einer gebrochenen Hand aber handicapiert. Bis zum Start der Endrunde sollte das Problem aber behoben sein. "Mit einer Schiene kann ich gut kochen", erklärte Bolli an der Nacht des Schweizer Fussballs.
Maurers Empfang und WM-Botschaft
Bundesrat Ueli Maurer traut der Prognose des SFV-Chefkochs aber offenbar nicht ganz. Beim rund halbstündigen Empfang vor dem Transfer ins Wallis rüstete der Sportminister jedenfalls alle Mitglieder der Schweizer Delegation mit einer militärisch-kulinarischen Notration aus.
Im Gegenzug beschenkte ihn der Verband mit einem WM-Shirt. Obschon der Ausrüster das Leibchen mit dem Namen des Magistraten bedruckte, wird der hochrangiste "Verteidiger" des Landes von Ottmar Hitzfeld wahrscheinlich nicht mehr nachnominiert. Aber Maurers WM-Botschaft "Einer für alle, alle für einen" hat der Schweizer Selektionär dankend angenommen.