16.05.2010
Dank des vierten Double-Gewinns sind die Basler wieder dort angelangt, wo sie ihrer Meinung nach hingehören: auf Platz 1. Das grösste Sport-Unternehmen der Schweiz hat sich im letzten Sommer für die richtige Strategie entschieden.
Die FCB-Patrons benötigten nach der höchst erfolgreichen Dekade unter der Leitung von Chef-Trainer Christian Gross eine neue und vor allem selbstbewusste Führungspersönlichkeit. Im Inland wurden sie nicht fündig, aber in Deutschland: Thorsten Finks "Curriculum Vitae" entsprach dem hohen Basler Anspruch. Und Ottmar Hitzfelds entsprechende Empfehlung bestärkte die Crew um Gigi Oeri darin, den richtigen Kopf für den "Neuanfang" gewählt zu haben.
Bei seiner Wahl war nicht ausschlaggebend gewesen, dass Fink relativ wenig Coaching-Erfahrungen zu bieten hatte. Der Mann mit langer und goldener Vergangenheit beim FC Bayern München reichte in Basel ein höchst überzeugendes Dossier ein. Fink kam nicht als arroganter Ex-Bundesliga-Star an, sondern als interessierter Neuling mit klarem Konzept, wie das teure Team an die nationale Spitze zurückzuführen sein müsste.
Oeri betrachtete Fink von Anfang an als spannenden Gegenentwurf von Gross. "Wir haben uns bewusst nicht für eine Kopie von Christian Gross entschieden", betonte die mächtigste FCB-Frau im vergangenen Juni. Mit Wucht allein mochten sich die Bebbi nicht mehr begnügen. Rot-Blau wünschte sich wieder vermehrt prickelnde Unterhaltung und Spektakel. Raffinesse statt Kick and Rush.
Zur neuen strategischen Ausrichtung gehörte auch das millionenschwere Engagement von Alex Frei. Der Captain und Topskorer der Nationalmannschaft steht wie kein Zweiter für die Offensivkraft des FCB. Zusammen mit seinem Freund Marco Streller stürmte der Rückkehrer auf höchstem Niveau. Er kann diverse Rollen spielen: Botschafter, Integrationsfigur, regelmässiger Torschütze. Frei ist ein Leader par excellence.
Aber Frei ist kein einsamer Antreiber. Fink hat ein Team formiert, das auf mehreren Positionen von Charakterköpfen besetzt ist. Einer davon steht im Tor. Franco Costanzo, der Captain, tritt zuweilen so furios wie souverän auf. Benjamin Huggel ist der geborene Denker und gewachsene Lenker des Meisters. Er spielte unter Fink, der ihm ohne die geringste Einschränkung die Gesamtverantwortung übertrug, wohl die beste Saison seiner Karriere.
Trotz imposantem Erfahrungsschatz blieb auch Raum und Zeit für den faszinierenden Aufstieg eines Junioren mit Wurzeln im Kosovo: Xherdan Shaqiri, das Kraftwerk im Körper eines Zwergs (1,69 m). Der Dribbler und Puncher in Personalunion war am starken Finish der Bebbi hauptbeteiligt. Er ist der erfolgreichste "Young Boy" der gesamten Liga.
Das nicht minder erfolgreiche Gegenstück zum wilden Shaqiri ist Scott Chipperfield. Er gehörte schon während der gesamten Ära Gross zum Stamm. Nun entwickelte sich der Australien-Schweizer zum wichtigsten Allrounder der Equipe. Auf ihn konnte sich Coach Fink in jeder Situation verlassen. Der härteste FCB-Arbeiter ist zum erfolgreichsten Spieler der 107-jährigen Klubgeschichte aufgestiegen: Je fünfmal gewann er die Meisterschaft und den Cup. Damit hat sich "Chippie" vor der Kultfigur Karli Odermatt eingereiht.
Basel in Zahlen. -- 1893 gegründet. -- Jahres-Umsatz: 54,7 Millionen. -- Palmarès: 13 Meistertitel (2010, 2008, 2005, 2004, 2002, 1980, 1977, 1973, 1972, 1970, 1969, 1967, 1953). 10 Cupsiege (2010, 2008, 2007, 2003, 2002, 1975, 1967, 1963, 1947, 1933). -- Präsidentin: Gigi Oeri. -- Coach: Thorsten Fink (De). -- Assistent: Heiko Vogel (De). -- Goalietrainer: Romain Crevoisier.
Kader. -- Tor: Franco Costanzo (29-jährig/Arg/Captain). Stefan Wessels (31/De). Massimo Colomba (32). Oliver Klaus (20). -- Verteidigung/Mittelfeld: Atan Cagdas (30/Tür). David Abraham (23/Arg). Behrang Safari (25/Sd). Samuel Inkoom (20/Gha). Adilson Cabral (21). Beg Ferati (23). Reto Zanni (30). Serkan Sahin (22). Marcos Gelabert (28). Benjamin Huggel (32). Scott Chipperfield (34/Au-Sz). Valentin Stocker (21). Xherdan Shaqiri (18). Antonio Da Silva (31/Br). Daniel Unal (20). Carlitos (27/Por). -- Sturm: Alex Frei (30). Marco Streller (28). Jacques Zoua (18/Kam). Federico Almerares (25/It-Arg). Pascal Schürpf (20).