14.05.2010
(si) Der Vorteil, als Leader und erster Kandidat für den Pokal ins entscheidende Spiel zu gehen, gehört dem FC Basel. Im Gegensatz zu YB (1:5 in Luzern) hat der FCB (3:0 gegen Xamax) am Auffahrtstag die Coolness bewahrt. Die Basler eroberten erst zum zweiten Mal in dieser Saison die Pole Position -- aber zu einem sehr günstigen Zeitpunkt.
Aus dieser heraus kann das Team von Thorsten Fink nun kontrollieren, wie viel Berner Angriffswirbel es zulassen will. Denn gefordert sind primär die Young Boys. Sie sind im Stade de Suisse zum Siegen gezwungen, wenn sie erstmals seit 24 Jahren wieder Meister werden und das Image der notorischen Verlierer in entscheidenden Momenten ablegen wollen. Basel genügt ein Remis zum 13. Meistertitel.
Zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren wird der Name des Schweizer Champions erst nach (frühestens) 3240 Minuten der Saison bekannt sein. Nur im letzten Jahr hatte der FC Zürich bereits vor der letzten Runde als Meister festgestanden. Nun entscheidet zum dritten Mal nach 2006 (2:1 für den FCZ in Basel) und 2008 (2:0 für Basel gegen YB) ein Direktduell über grenzenlosen Jubel oder riesige Enttäuschung.
Der Rahmen für die Finalissima stimmt: Auf dem Platz stehen sich die mit Abstand besten Teams gegenüber, auf den Rängen die heissblütigsten und kreativsten Fans des Landes. Das Stade de Suisse ist seit Wochen ausverkauft und das Wissen, dass YB auf Sieg spielen muss, wird eine Atmosphäre in die Berner Arena zaubern, wie sie die Schweiz wohl noch selten erlebt hat.
Es geht im Endspiel ganz nebenbei auch um die bessere Ausgangslage für die Champions-League-Qualifikation. Der Meister spielt gegen mutmasslich weniger starke Gegner aus dem Pool der Champions um den Einzug in die Gruppenphase der "Königsklasse". Dem Verlierer drohen bei allfälligem Überstehen der dritten Qualifikationsrunde in den Playoffs Gegner wie die Tottenham Hotspur, Werder Bremen oder der Vierte aus Italien (Sampdoria/Palermo) und Spanien (FC Sevilla/Mallorca).
YBs Heimserie
Die Young Boys dürfen ihre Hoffnungen auch an der fast makellosen Heimbilanz in den letzten 21 Monaten festmachen. Seit dem 31. August 2008 (1:3 gegen GC) haben sie im Stade de Suisse kein Meisterschaftsspiel verloren. In dieser Zeit schafften sie in 26 von 30 Spielen, was sie auch am Sonntag benötigen: einen Sieg. Nur gerade viermal spielten sie unentschieden.
Die Basler wissen allerdings aus eigener unangenehmer Erfahrung, dass solche Serien in den entscheidenden 90 Minuten nichts bedeuten. Bevor sie am 13. Mai 2006 in der unvergesslichen Finalissima in der 92. Minute gegen den FC Zürich 1:2 verloren, hatten sie sich sogar 59 Mal nacheinander im St.-Jakobpark nicht bezwingen lassen.
Die Partien der 36. und letzten Runde in der Axpo Super League auf einen Blick:
Young Boys - Basel (2:1, 2:0, 0:4). -- Sonntag, 16.15 Uhr. -- Abwesend: Marco Schneuwly, Traoré (beide verletzt), Doumbia (fraglich) und Yapi (nicht im Aufgebot); Safari (gesperrt) und Streller (fraglich). -- Statistisches: In der Finalissima trifft das beste Heim- auf das stärkste Auswärtsteam. YB konnte diese Saison zu Hause nie bezwungen werden und gab in 17 Spielen lediglich vier Punkte ab. Der FCB hat auswärts zusammen mit St. Gallen am wenigsten Gegentore (28) einkassiert und hinter YB (37) am zweitmeisten Tore erzielt (34). Den Gästen genügt dank der besseren Tordifferenz ein Remis zum Meistertitel.
Bellinzona - Aarau (bisherige Duelle in dieser Saison: 4:1, 2:1, 3:6). -- Anspielzeit: Sonntag, 16 Uhr. -- Abwesend: Siqueira Barras (gesperrt), Ciaramitaro, Kalu und Rossini (alle verletzt); Ionita und Stojkov (beide verletzt). -- Statistik: Das mit Spannung erwartete Kellerduell ist seit Donnerstag zur Formsache verkommen. Die Tessiner werden sich für die Barragepartien schonen, die Aargauer müssen den Direktabstieg moralisch verdauen.
Grasshoppers - Luzern (1:2, 0:0, 2:4). -- Sonntag, 16 Uhr. -- Abwesend: Callà, Lulic und Rennella (alle verletzt); Yakin (gesperrt), Büchli, Frimpong, Imbach, Lambert, Lustenberger und Sorgic (alle verletzt). -- Statistisches: GC-Trainer Ciriaco Sforza hat diese Saison noch nie gegen seinen Ex-Klub gewonnen, dieses Ziel dürfte er nun im letzten Spiel erreichen. GC ist seit 13 Heimspielen in dieser Saison ungeschlagen, die Luzerner blieben dagegen in den letzten drei Auswärtspartien sieglos. Zudem liegt der letzte FCL-Sieg bei den Grasshoppers schon zehn Jahre zurück.
Neuchâtel Xamax - Zürich (3:0, 2:1, 0:0). -- Sonntag, 16 Uhr. -- Abwesend: Varela (gesperrt), Facchinetti, Ferro, Gomes, Wüthrich (alle verletzt), Gohou (bei U23-Team der Elfenbeinküste), Binya, Edjenguele, Geiger und Niasse (alle fraglich); Aegerter, Alphonse, Barmettler, Chikhaoui, Magnin und Vonlanthen (alle verletzt). -- Statistisches: Xamax blieb diese Saison gegen den FCZ ungeschlagen und hat unter dem neuen Trainer Jean-Michel Aeby beide Heimspiele gewonnen. Zürichs Verletztenliste spricht ebenfalls gegen einen weiteren Erfolg unter Trainer Urs Fischer.
Sion - St. Gallen (1:1, 2:1, 0:1). -- Sonntag, 16 Uhr. -- Abwesend: Dominguez (gesperrt), Marin (fraglich); Ciccone, Frick, Haas, Knöpfel, Koubsky, Muntwiler, Pa Modou, Schenkel, Vailati und Zé Vitor (alle verletzt). -- Statistisches: Bei beiden Teams ist die Enttäuschung über die abgelaufene Saison vorherrschend. Sion ist seit elf Partien im Tourbillon ungeschlagen. St. Gallen hat dafür auf fremden Terrains beinahe gleich viele Siege (6) errungen wie zu Hause (7).