09.05.2010
(Si) Wegen Spielern wie Owetschkin, Stamkos und Duchene soll die WM in Deutschland die "WM der Jungen" werden. Die Schweizer passten sich dem WM-Motto an: Mit Damien Brunner und Roman Josi führten junge Spieler die Schweizer zum Sieg über Lettland.
Back Roman Josi (19) und Flügel Damien Brunner (24) bildeten mit Félicien Du Bois, Andres Ambühl und Thibaut Monnet den klar stärksten Schweizer Block. Brunner bereitete mit zwei Assists die ersten beiden Tore vor; Roman Josi erzielte in der 23. Minute mit dem ersten Nationalmannschafts-Goal den "Gamewinner" zum 2:0.
Mit dem flinken Brunner und Offensivverteidiger Josi mutierte das Duo Ambühl/Monnet, das schon in Vancouver zusammen spielte, dort aber primär defensive Aufgaben zu erfüllten hatte, zur schnittigen Angriffswaffe. Wie lautet das Erfolgsrezept des neuen Blocks? Roman Josi: "Wir dürfen so (offensiv) spielen, wie wir das am liebsten tun." Damien Brunner: "Die Linie harmoniert, wir finden uns sehr gut auf dem Eis. Ausserdem sind wir alles ähnliche Spieler: schnell und technisch recht gut beschlagen."
Souvenirs für Josi und Simpson
Selbst Coach Sean Simpson geriet ob der Leistungen der jungen Matchwinner ins Schwärmen: "Es ist eigentlich nicht meine Art, einzelne Spieler zu loben und herauszuheben. Aber Josi und Brunner haben ein Superspiel gemacht."
Am Ende gab es Souvenirs: Captain Mathias Seger überreichte Sean Simpson den Puck, mit dem Martin Plüss zwei Sekunden vor Schluss den ersten WM-Sieg des neuen Coaches sichergestellt hatte. Simpson: "Es ist mein erstes Puck-Souvenir als Trainer." Martin Plüss ergatterte für Josi nach dem 2:0 den Puck. Josi: "Dieser Puck kriegt in meiner Sammlung einen Ehrenplatz." Und auch nach dem ersten Schweizer Goal war der Puck eingesammelt worden, weil im ersten Moment niemand genau wusste, ob nicht Brunner sein erstes WM-Tor erzielt hatte. Brunner: "Aber 'Büehli' war vor mir mit dem Stock am Puck, er hat das Tor gemacht."
Auch ohne persönlichen Treffer entpuppte sich Damien Brunner am Samstag aber als die grosse Schweizer Figur. Brunner: "Schon im ersten Einsatz (der mit Ambühls 1:0 abgeschlossen wurde) spürte ich, dass es mir läuft, und dass heute für mich etwas möglich ist." In Euphorie liess sich Brunner nach dem Spiel und nach der grossartigen Leistung aber nicht versetzen: "Natürlich war der Sieg extrem wichtig. Aber das Highlight meiner Karriere? Das scheint mir doch übertrieben. Aber es war sicher ein Schritt in die richtige Richtung."
Von Kloten verkannt
Auf dem richtigen Weg befindet sich Damien Brunner seit Oktober 2008 und dem Transfer von Kloten zu Zug. Im Austausch gegen den vier Jahre älteren Thomas Walser durfte Brunner damals zum EVZ wechseln. Diesen Tausch werden die Kloten Flyers noch lange bereuen: Brunner war letzte Saison Zugs bester Schweizer Skorer und beweist nun, dass er sogar auf internationalem Niveau bestehen kann. Thomas Walser dagegen spielt nächste Saison bei Oberthurgau in der 1. Liga.
Nicht nur die Kloten Flyers irrten sich in Brunner. Auch von den Junioren-Nationalmannschaften erhielt Brunner nie ein Aufgebot. Köbi Kölliker überging Brunner in der U20, weil Brunner damals beim EHC Winterthur physisch noch nicht genügte und der Coach der Meinung war, Brunner könne seine Technik auf internationalem Niveau nicht durchsetzen. Heute sagt Kölliker, dass das Beispiel Brunner aufzeigt, "wie wichtig es ist, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein".
Dass er in den Juniorenauswahlen nie zum Zug kam, nervte Brunner in jungen Jahren, denn "die läuferischen und technischen Fähigkeiten hatte ich schon vorher". Im Alter von 14 bis 17 seien Zweifel aufgekommen, ob er es schaffen würde. Später bei Kloten musste er hartes Brot esse, weil der Trainer nicht auf ihn setzte und er, wenn überhaupt, nur im gelegentlich im vierten Block zum Einsatz kam. Der Wechsel zu Zug erwies sich als Glücksfall. Brunner: "Doug Shedden setzte ab dem ersten Tag auf mich. Er stellte mich in eine offensive Linie mit Patrick Fischer und Paul Di Pietro. Dann ging die Post ab."
An der WM soll es nach dem gelungenen Startspiel im gleichen Stil weitergehen. Damien Brunner: "Wenn wir ruhig spielen und das machen, was wir können, werden wir auch die Italiener schlagen."