FUSSBALL: VORSCHAU 85. CUPFINAL

Fussball

07.05.2010 

(si) Seit Thorsten Fink den Trainerposten in Basel übernommen hat, schwingt in den Überlegungen am Rheinknie immer ein wenig deutsche Selbstverständlichkeit mit. Anfänglich wurde es dem Champions-League-Sieger von 2001 als Arroganz ausgelegt, mittlerweile gehört die klare Ausdrucksweise des Deutschen zum Standardprogramm. Niemand legt die forsche Art gegen den zielorientierten FCB-Coach aus. Spieler und Supporter haben schnell gemerkt, als das Fink'sche System zu greifen begonnen hat, dass Fussball in Basel durchaus spektakulär u n d erfolgreich sein kann. Bereits nach zehn Monaten im Amt hat Fink am Sonntag die Möglichkeit, seinen ersten Titel als Trainer zu gewinnen.

Nicht nur in Basel, auch im Rest der (Deutsch-)Schweiz geht man davon aus, dass der FCB zum zehnten Mal bei 16 Finalteilnahmen als Cupsieger gefeiert werden wird. Zu klar scheint die Kluft zwischen den beiden Finalgegnern zu sein. Und doch warnt Fink, als Bayern-Spieler vier Mal (eingewechselter) deutscher Cupfinalteilnehmer und dreifacher Sieger: "Lausanne hat mehrmals gezeigt, dass es gegen grosse Teams gewinnen kann. Wir wissen, worauf es ankommt und werden sie auf keinen Fall unterschätzen." Einen gewissen Respekt bringt der grosse FCB dem vermeintlich klaren Aussenseiter entgegen, aber alles andere wäre fehl am Platz -- oder Understatement.

Fink wird vor heimischer Kulisse aller Voraussicht nach aus freien Stücken auf Marco Streller verzichten. Die starke Zerrung des Schweizer Internationalen und besten FCB-Torschützen der Saison ist es dem Trainer im Hinblick auf die bevorstehende "Finalissima" nicht wert, einen Einsatz zu riskieren. "Dann muss ich ihn nach einer Viertelstunde wieder auswechseln und alles ist noch schlimmer." Wie bereits nach Strellers Auswechslung in Aarau am Mittwoch dürften also Scott Chipperfield und Federico Almerares (4 Treffer im Cup 2009/10) das Sturmduo bilden.

Comeback von Frei?

Ob Alex Frei elf Wochen nach dem gegen Aarau erlittenen Oberarmbruch zu seinem Comeback kommen wird, ist fraglich. Aus medizinischer Sicht stünde der Rückkehr des Schweizer Rekord-Torschützen nichts im Weg, "er hat aber noch Probleme in den Zweikämpfen", so Fink. Möglich ist deshalb, dass Frei im Fall einer Basler Führung in den letzten Minuten noch etwas Spielpraxis erhalten könnte. "Wenn der eine oder andere nicht kann, ist Frei dabei." Er wird für seinen Entscheid das Abschlusstraining vom Samstag abwarten." Auch hinter dem Einsatz von Atan Cagdas (Verdrehtrauma am Sprunggelenk) steht ein Fragezeichen.

Sorgen um eine allfällige Überbelastung in der x-ten englischen Woche der Saison macht sich Fink, unabhängig davon, wer am Sonntag spielen wird, nach einigen (erzwungenen und gelungenen) Rotationen im Verlauf der Saison keine. "Wir haben mit dem grossen Kader bewiesen, dass wir alles kompensieren können. Wenn einer ausfällt, kommt eben ein anderer rein. So ist das bei uns." Hier dringt das neue Selbstverständnis dann wieder durch -- um es nach dem Ende der Pressekonferenz wieder zu widerlegen. Der Bitte der Fotografen, gemeinsam mit dem Lausanner Trainer Arpad Soos die Cuptrophäe zu halten, kam Fink nicht nach: "Den fass ich nicht an. Sondern erst nach dem Spiel. Wenn ich denn darf..."

Trainer Soos: "Mit Glück und Gott zum Cupsieg"

Lausanne-Sport steht erstmals seit zehn Jahren wieder in einem Cupfinal. Selten war ein Finalist so krasser Aussenseiter. Doch die Waadtländer glauben an ihre Chance -- mag sie noch so winzig sein.

Hier der grosse FC Basel, Kandidat auf den Schweizer Meistertitel. Dort das kleine Lausanne-Sport, derzeit lediglich die Nummer 11 in der Challenge League. Hier Thorsten Fink, ehemaliger Spieler von Bayern München und Champions-League-Sieger, dort Arpad Soos, schweizerisch-ungarischer Doppelbürger, der in Lausanne erst vor knapp zwei Monaten vom U18- zum Cheftrainer aufstieg. Er musste nach der gestrigen Pressekonferenz in Basel gleich wieder nach Lausanne, um bei der Arbeit zu erscheinen.

Es liegen Welten zwischen den beiden Finalisten. Lausannes letzte Glanzzeiten sind schon länger vorbei. Von 1998 bis 2000 standen die Waadtländer dreimal in Folge im Cupfinal und gewannen zweimal. Soos ist sich der krassen Aussenseiter-Rolle seines Teams durchaus bewusst: "Wir werden versuchen, einen Exploit zu realisieren. Aber Basel wird uns nicht unterschätzen." Für ihn ist der Cupfinal ein Erlebnis, ganz egal, wer der Gegner ist. Ob auf der Gegenseite nun die National-Stürmer Alex Frei und Marco Streller spielen können, ist ihm daher nicht sonderlich wichtig. "Wir kennen die Qualitäten der beiden Spieler. Natürlich wäre es schön, auch im Hinblick auf die WM in Südafrika, dass beide so schnell wie möglich fit sind. Aber mit oder ohne verletzte Basler, wir werden am Sonntag in der Abwehr sicherlich genug zu tun bekommen."

Während die Meisterschaft der Lausanner nur harzig läuft, haben sie sich im Schweizer Cup zum regelrechten Riesentöter entwickelt. Im Achtelfinal musste Challenge-League-Leader Lugano daran glauben, im Viertelfinal ASL-Leader Young Boys und im Halbfinal der FC St. Gallen. Und alle Teams wurden auswärts bezwungen. "Gegen Basel im St. Jakob-Park den Final zu bestreiten ist natürlich kein Geschenk. Aber wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, Super-League-Klubs in ihrem Stadion zu bezwingen. Wenn wir furchtlos auftreten, das nötige Glück auf unserer Seite haben und der Fussball-Gott uns freundlich gesinnt ist, dann können wir dieses Spiel auch gewinnen."

Nur 8000 Lausanner im Stadion

Der Ticket-Verkauf für den Cupfinal lief in Lausanne nicht sehr gut. Nur rund 8000 Karten wurden abgesetzt; das Stadion ist mit aktuell etwas mehr als 27 000 Zuschauern bei weitem nicht ausverkauft. Sehr viele Lausanner Fans sind immer noch erzürnt darüber, dass der Vorstand das Heimrecht im Viertelfinal gegen YB an die Berner verkaufte, und verzichten am Sonntag auf die Reise nach Basel. Soos versucht, dieses Thema wenn möglich zu vermeiden: "Darüber habe ich sicher schon 150 Mal sprechen müssen. Wir freuen uns über diejenigen Fans, die nach Basel kommen. Mehr gibt es aus unserer Sicht nicht zu sagen." Seine Spieler werden sowieso topmotiviert zu ihrem Saison-Highlight antreten -- egal, ob der St. Jakob-Park ausverkauft ist oder nicht."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Basel: Costanzo; Inkoom, Ferati/Abraham, Cagdas, Safari; Huggel; Shaqiri, Da Silva, Stocker; Chipperfield, Almerares.

Lausanne: Favre; Geiser, Buntschu, Meoli, Sonnerat; Nzomo, Marazzi; Hélin, Tosi, Pimenta; Gaspar.

Abwesend: Basel ohne Streller (verletzt), Lausanne ohne Katz (gesperrt).