FUSSBALL: YB UND BASEL AUF DER ZIELGERADEN

Fussball

04.05.2010 

DIE AUSGANGSLAGE

YB hat vor dem Heimspiel gegen St. Gallen drei Punkte Vorsprung und kann daher aus eigener Kraft Meister werden, ohne alle drei Partien gewinnen zu müssen. Es hat noch einen (halben) Fehltritt zugute, während die Basler vor ihrem Auftritt beim FC Aarau nicht mehr stolpern dürfen.

DAS SCHLUSSPROGRAMM

Wenn es zur erwarteten "Finalissima" am 16. Mai kommt, ist jeder Ausgang möglich. Bis dahin scheinen dem FC Basel weniger hohe Hürden im Weg zu stehen. Nach dem Auftritt beim FC Aarau bekommen es die Bebbi mit dem ambitionslosen Xamax zu tun. Fehltritte des FCB kann man sich in diesen zwei Partien kaum vorstellen. - Die Young Boys dagegen müssen noch gegen die Europa-League-Kandidaten St. Gallen und Luzern antreten. Vor allem die heikle Aufgabe in Luzern dürfte darüber entscheiden, ob YB mit Rückenwind und Vorsprung in den Meisterschaftsfinal steigen wird.

DIE SCHLECHTE ERINNERUNG

Die Situation des langen Fernduells ist für beide nicht neu. Die Erinnerungen daran sind jedoch nicht nur gut. Vor fast genau einem Jahr, am 9. Mai 2009, gastierte der FCB in einer ähnlichen Ausgangslage in Aarau. Damals war er Verfolger des FCZ, stolperte aber in der viertletzten Runde im Brügglifeld (1:3). Es war die Vorentscheidung im Duell mit den Zürchern. - YB leistete dem FCB vor zwei Jahren als hartnäckiger Herausforderer lange Paroli. Am Schluss verloren die Berner das letzte Spiel in Basel. Doch das wäre ohne Folgen geblieben, hätten die Berner nicht auf der Zielgeraden völlig unerwartet die Heimspiele gegen Luzern und Xamax verloren.

DIE FORM

In den letzten zwei Runden holte YB (gegen Xamax und Zürich) das Punktemaximum, während Basel gegen die Grasshoppers verlor (0:4). Trotzdem scheint die Form eher für Basel zu sprechen. Die Pleite in Zürich war wohl tatsächlich bloss ein Unfall. Vorher und nachher realisierte der FCB klare Siege gegen Luzern und Bellinzona. Die Basler haben sich im Frühjahr spielerisch gegenüber dem Herbst gesteigert und in acht von 15 Spielen drei oder mehr Tore erzielt. - YB hat nicht mehr an die Leistungen der ersten Hälfte anknüpfen können. Einzig gegen GC (4:0), in Aarau (5:1) und gegen Xamax (4:1) waren die Siege frühzeitig gesichert.

DIE TOPSKORER

Eine Meisterschaft wird dem Sprichwort nach mit einer guten Defensive gewonnen. Doch jetzt, da die Spielzeit nur noch 270 Minuten dauert, ist die Form der Stürmer doppelt wichtig. Die Leistungen von Marco Streller und Seydou Doumbia im Schlussspurt könnten am Ende über Platz 1 und 2 entscheiden. Der Torschützenleader von YB hat vor den finalen Tagen Adduktorenprobleme. Er dürfte gegen St. Gallen zwar dabei sein, aber ganz fit ist der Afrikaner nicht. Zudem schoss er zwar auch im Frühjahr wieder mehr Tore als alle anderen in der Liga, doch entscheidende Treffer gelangen ihm nur noch in vier Partien. - Marco Streller scheint sich rechtzeitig für den Sprint in Topform geschossen zu haben. Gegen Bellinzona erzielte er zwei Tore, legte einen Treffer auf und traf auch noch die Latte.

DIE ERFAHRUNG

Spitzt sich die Situation zum Ende einer Saison zu, ist es wichtig, von Erfahrungen zehren zu können. Darin liegt der vielleicht grösste Unterschied zwischen Bernern und Baslern. YB wartet seit 23 Jahren auf einen Pokal, Basel holte in den letzten acht Jahren vier Meistertitel und vier Cupsiege. Auch deshalb ist die FCB-Mannschaft weitaus mehr dekoriert als die Young Boys. Die FCB-Spieler wissen, wie man Titel gewinnt. Zusammen und inklusive Trainer weisen sie 33 Meistertitel und 23 Cupsiege aus. - Dagegen nehmen sich die Zahlen der Berner (11/7) bescheiden aus. Das muss jedoch kein Nachteil für YB sein. Nirgends in der Schweiz ist die Sehnsucht nach (Fussball-)Triumphen grösser als in Bern.

WER KOMMT, WER KÖNNTE FEHLEN

270 Minuten vor dem Saisonende hält der FC Basel noch einen Trumpf im Ärmel. Der Schweizer Rekordtorschütze Alex Frei steht vor dem Comeback. In Aarau fehlt er noch, doch in Basel gehen sie davon aus, dass er für die letzten beiden Spiele wieder zur Verfügung steht. Dafür fürchten sie sich vor unangenehmen Sperren. Die halbe Stammformation ist gefährdet. Die nächste Verwarnung hat für David Abraham, Antonio Da Silva, Benjamin Huggel, Behrang Safari und Xherdan Shaqiri eine Zwangspause zur Folge. YB kann auf keine hochkarätigen Rückkehrer mehr hoffen. Dafür ist auch nur ein Trio, wenn auch kein unwichtiges (Wölfli, Dudar, Bienvenue), gefährdet.

DIE TITELMOTIVATION

Vor zwei Tagen gab der FC Basel an seiner GV die Zahlen des letzten Jahres bekannt. Das Umsatzvolumen belief sich auf über 45 Millionen Franken. Allein das Personal kostet den FCB rund 28 Millionen, und die Kosten bei Heimspielen sind derart hoch, dass er mindestens 16 000 Zuschauer braucht (aktueller Schnitt: 23 234), um diese zu decken. Vor diesem Hintergrund braucht der FCB die Champions League mehr als jeder andere Schweizer Klub. Der Weg zu den Millionen der Eliteliga ist für den Schweizer Meister weitaus einfacher als für den Zweiten, der sich mit Nicht-Meistern aus grossen Ligen duellieren muss. Meister zu werden ist für Basel also nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Sicht wichtig. - Im Berner Umfeld würde der erste Meistertitel seit 1986 derweil vor allem die romantischen Bedürfnisse befriedigen. Die Trilogie Titel - Champions League - Millionen kennen sie in Bern nur vom Hörensagen. Als YB letztmals Meister war, gab es noch keine zentral vermarkteten europäischen Wettbewerbe, aber immerhin zwei Meistercup-Spiele gegen Real Madrid.

Die Spiele der 34. Runde in der Axpo Super League im Detail:

Young Boys - St. Gallen (1:1, 3:2, 2:1). -- Mittwoch, 19.45 Uhr. -- Absenzen: Marco Schneuwly, Traoré, Lingani (alle verletzt); Haas, Schenkel, Ze Vitor, Frick, Knöpfel, Vailati (alle verletzt), Muntwiler (rekonvaleszent). -- Fraglich: Doumbia, Sutter; Lang. -- Statistik: YB gewann die letzten neun Heimspiele ausnahmslos. St. Gallen ist aber immerhin eines von zwei Teams, das heuer in Bern wenigstens einen Punkt holte.

Aarau - Basel (bisherige Spiele: 1:2, 0:2, 1:2). -- Mittwoch, 20.15 Uhr. -- Absenzen: Elmer (gesperrt), Loris Benito (verletzt); Abraham, Frei (beide verletzt). -- Fraglich: Stojkov; keiner. -- Statistik: In den letzten sechs Jahren verlor Basel in Aarau in zehn Spielen nur einmal. Dieser Fehltritt vor einem Jahr war indes folgenschwer. Er warf den FCB vier Runden vor Saisonende im Duell mit dem FCZ (vor-)entscheidend zurück.

Bellinzona - Luzern (1:2, 0:2, 1:2). -- Donnerstag, 19.45 Uhr. -- Absenzen: Zotti, Frank Feltscher, Diarra (alle gesperrt), Sermeter, Ciaramitaro, Rossini, Edusei (alle verletzt); Luqmon, Chiumiento (beide gesperrt), Frimpong, Lambert, Claudio Lustenberger, Sorgic, Imbach (alle verletzt). -- Fraglich: keiner; Zverotic, Hakan Yakin. -- Statistik: Bellinzonas Coach Roberto Morinini tritt erstmals seit der Entlassung beim FC Luzern Ende Oktober 2008 gegen seinen alten Arbeitgeber an. Die Gesamtbilanz des Tessiners gegen den FCL ist positiv. Von zwölf Spielen gegen die Innerschweizer verlor er nur eines.

Grasshoppers - Zürich (3:4, 1:0, 2:3). -- Donnerstag, 19.45 Uhr. -- Absenzen: Ruiz (gesperrt), Callà, Lulic, Rennella (alle verletzt); Aegerter, Barmettler, Alphonse, Chikhaoui, Djuric (alle verletzt). -- Fraglich: Menezes, Voser; keiner. -- Statistik: Seit fast viereinhalb Jahren und 13 Spielen gab es im Zürcher Derby keinen Auswärtssieg mehr. Der letzte Erfolg in der "Fremde" gelang dem FCZ, damals noch auf dem Hardturm, am 18. November 2006. Torschütze war der Brasilianer Eudis.

Neuchâtel Xamax - Sion (1:3, 0:1, 1:1). -- Donnerstag, 19.45 Uhr. -- Absenzen: Besle, Varela (beide gesperrt), Ferro, Gomes (beide verletzt); keiner. -- Fraglich: Wüthrich; Dominguez. -- Statistik: Der FC Sion ist längst nicht mehr der FC Wallis, der er einmal war. Doch eines bleibt unverändert: Die Schwäche in Spielen ausserhalb des Wallis. In diesem Frühjahr gab es nur beim Tabellenletzten Aarau einen Auswärtssieg (3:0). Mit nur 13 Punkten weist der FC Sion die drittschlechteste Auswärtsbilanz der gesamten Liga auf.