03.05.2010
(Si) Blaise Nkufo bestritt am Sonntag sein letztes Spiel für Twente Enschede. Der 29-fache Schweizer Internationale verlässt den holländischen Verein nach sieben Jahren auf die bestmögliche Weise: Als Rekordtorschütze und gefeierter Meister.
Als Nkufo in Breda am Sonntag den Platz betrat, wusste er bereits, dass das 223. Ligaspiel für Twente sein letztes sein würde. Zu seinem 114. Treffer kam es nicht, doch im Mittelpunkt stand der bald 35-jährige Stürmer nach dem 2:0-Sieg, der den Meistertitel sicherte, dennoch. Als Captain kam ihm die Ehre zu, die Meisterschale in die Höhe zu stemmen: "Es war ein unglaublicher Abschluss meiner Zeit hier. Das kann man sich gar nicht vorstellen."
Am Montag folgten dann weitere Ehrungen. Der Bürgermeister, die Stadträte und eine Delegation des Parlaments empfing die Mannschaft. "Wir waren den ganzen Tag unterwegs. Ich hatte kaum eine freie Minute", beschrieb der Schweizer die Festlichkeiten zwischen Empfang im Stadthaus und dem offiziellen Anlass mit den Fans. Neben der Meisterschale hielt er zu diesem Zeitpunkt auch schon die Ehrenmedaille der Gemeinde in den Händen.
Sinnbild des Twente-Aufstiegs
Die Captainbinde, das Privileg, beim grössten Erfolg der Vereinsgeschichte an vorderster Front zu stehen, hat sich Nkufo in den letzten sieben Jahren erarbeitet. In erster Linie mit Toren, mehr Toren als je ein anderer Spieler für den 1965 gegründeten Verein geschossen hat. Im letzten Dezember übertraf er den Rekord des früheren holländischen Internationalen Jan Jeuring. Es war damals ein weiterer Schritt in die Herzen der Fans und ein weiterer Eintrag in die Geschichtsbücher des Klubs. Zum Sinnbild des Aufstiegs von Twente war er aber auch vor dieser letzten, krönenden Saison geworden.
Dieses letzte Jahr mit Rekord und Trophäe rundet die Geschichte um den Twente-Spieler mit einem fabelhaften Happy-End ab. Eine Geschichte, die ihren Reiz auch aus dem unerwarteten Verlauf nimmt. Nichts deutete darauf hin, dass der in Kongo geborene Schweizer in Enschede, der Grossstadt im Osten Hollands, allzulange verweilen würde. Er kam 2003 als Leihspieler nach einer missglückten Saison mit nur neun Bundesliga-Einsätzen für Hannover und einem Streit mit Nationalcoach Köbi Kuhn, der ihm den Platz in den Schweizer Aufgeboten kostetete, zu den finanziell arg gebeutelten "Tukkers".
Eine logische Entwicklung
Nkufo war in den letzten Jahren die Konstante auf dem Platz, hinter den Kulissen war es Joop Munsterman. 2004 übernahm der millionenschwere Verleger das Präsidentenamt und ermöglichte Twente den Aufstieg zu einem Spitzenteam, durch den Kauf von Spielern, den Bau eines neuen Stadions und vor zwei Jahren der Verpflichtung des ehemaligen englischen Nationalcoaches Steve McClaren. Doch nie mehr legte er sein Geld so gut an wie im Sommer 2004, als er 600 000 Euro nach Hannover überwies, um Nkufo definitv an seinen Klub zu binden. Mit Blick auf die letzten Saisons sagt Nkufo mit Überzeugung: "Unser Titelgewinn ist keine Überraschung. Er zeichnete sich ab."
Die Aufstieg des Vereins ging Hand in Hand mit demjenigen von Nkufo. Er sei hier gereift, habe sich zusammen mit der Mannschaft entwickelt: "Ich habe in Enschede eine Familie gegründet. Ich werde von hier sehr viele gute Erinnerungen mitnehmen." Die Familie ist es auch, die ihn dazu trieb, in Seattle zu unterschreiben und nicht etwa die Rastlosigkeit früherer Jahre, die dazu führte, dass er bis 27 nie länger als anderthalb Jahre an einem Ort verweilte. Seine kamerunische Frau und seine zwei Töchter verbringen seit einigen Monaten schon die meiste Zeit in Vancouver, das knapp 200 Kilometer von Seattle entfernt liegt.
Obwohl die US-Meisterschaft seit März läuft, wird Nkufo erst Mitte Juli zum Team der Sounders stossen. Bis dahin steht die Nationalmannschaft im Mittelpunkt. In Südafrika wird der bullige Goalgetter sein erstes grosses Turnier bestreiten.