01.05.2010
(si) Auf die traditionelle Weissbier-Dusche von Kollegen und Trainer verzichteten die Bayern nach dem Sieg gegen Bochum noch. Vier Tage nach dem Einzug in den Champions-League-Final ist ihnen der erste von noch drei möglichen Titeln aber nicht mehr zu nehmen. Sie müssten bei Hertha Berlin zum Beispiel 0:9 verlieren, und Schalke müsste gleichzeitig in Mainz 9:0 gewinnen -- das ist unmöglich! "Ich bin sehr stolz und sehr froh. Jetzt können wir ein bisschen feiern", jubelte der Holländer Arjen Robben.
Nach Holland (PSV Eindhoven), England (Chelsea) und Spanien (Real Madrid) kommt Robben im vierten Land zu Meisterehren. Eine Premiere erlebt derweil Hans-Jörg Butt, der im Alter von fast 36 Jahren den ersten Titel seiner Karriere holt. Und in den nächsten Wochen hat der Torhüter die Möglichkeit, das Trauma des Frühlings 2002 aus dem Gedächtnis zu löschen. Damals verlor er mit Bayer Leverkusen in extremis die Deutsche Meisterschaft und kassierte auch im DFB-Cupfinal und im Final der Champions League bittere Niederlagen. Acht Jahre später kann er das Triple doch noch schaffen.
Während der älteste im Team erst im 14. Profijahr die Hand an einen Pokal bekommt, avancierte der Jüngste, Thomas Müller, mit 20 Jahren sogar schon zum Meisterschützen der Bayern. Nicht Superstar Arjen Robben oder Champions-League-Held Ivica Olic drückten dem Sieg gegen Bochum den Stempel auf. Diesmal war es das Eigengewächs Müller, das den Hattrick schaffte. Dabei bediente er sich des gesamten Repertoires, das einen guten Stürmer auszeichnet: beim 1:0 drückte er den Ball mit der Brust über die Linie, das zweite Tor erzielte er mit dem Kopf und das 3:0 schoss er nach einem kurzen Antritt und einem harten Schuss.
Während sie in München jubelten, waren die Schalker zumindest nicht traurig. Der 2. Platz ist ihnen trotz der Niederlage gegen das drittplatzierte Bremen nicht mehr zu nehmen, und selbst bei einem Sieg hätten sie in der Schlussrunde wegen der viel schlechteren Tordifferenz nicht mehr aus eigener Kraft Meister werden können. Die Tore von Mesut Özil und Hugo Almeida nach der Pause brachten Werder einen Schritt näher an den Qualifikationsplatz für die Champions League. In der letzten Runde reicht nun wohl ein Remis im Heimspiel gegen den HSV, um Bayer Leverkusen auf Distanz zu halten.
Die Bayer-Equipe, die das Bundesliga-Feld lange angeführt hatte, musste sich gegen Hertha Berlin mit einem 1:1 begnügen. Das Remis bringt Leverkusen nicht voran, stürzt die Berliner aber in die 2. Bundesliga. Denn was lange währte, wurde für die Hertha am Samstag ganz schlecht. Nach 13 Jahren steigen die Hauptstädter wieder ab. Der Sieg, der weiter hätte hoffen lassen, wäre durchaus möglich gewesen. Die Berliner hatten viele Chancen. Die beste vergab Gojko Kacar wenige Sekunden vor dem Ausgleich der Leverkusener durch Manuel Friedrich (59.). In der Nachspielzeit verpasste Theofanis Gekas ein Zuspiel vor dem leeren Tor bloss um wenige Zentimeter. "Dieses Spiel war das Sinnbild der gesamten Saison. Wir scheiterten letztlich an unseren vielen vergebenen Möglichkeiten", sagte deshalb Trainer Friedhelm Funkel.
Letztlich haben die Berliner mit den Schweizern Steve von Bergen und Fabian Lustenberger den Klassenerhalt nicht in Leverkusen verpasst, sondern in den Heimspielen. Seit der Startrunde im August 2009 -- damals noch mit Trainer Lucien Favre -- gewann die Hertha im Olympiastadion kein Spiel mehr. Das ist eine ungeheuerliche Serie von 15 Partien.
Gerettet hat sich derweil Aufsteiger SC Freiburg. Nach dem 2:2 in Köln beträgt der Vorsprung der Breisgauer auf Platz 16 (Bochum) vier Punkte. Bemerkenswert ist der Klassenerhalt Freiburgs, weil der Aussenseiter auch in heiklen Momenten der Saison die Ruhe bewahrte. Als einziger der gefährdeten Vereine entliess er den Trainer nicht und zog das Jahr mit Aufstiegscoach Robin Dutt durch - und wurde belohnt.