FUSSBALL: CHALLANDES NICHT MEHR FCZ-TRAINER

Fussball

19.04.2010 

(Si) Bernard Challandes (58) ist per sofort nicht mehr Trainer des FC Zürich. Rund elf Monate nach dem Gewinn des Meistertitels wurde der Romand zwei Tage nach dem 0:1 gegen Aarau freigestellt. Bis zum Saisonende wird die Mannschaft von U21-Trainer Urs Fischer betreut.

Urs Fischers Aufgabe ist es, den Meister wenigstens noch auf Platz 4 und damit in die Europa League zu führen. Ein Himmelfahrtskommando ist dies nicht. Trotz andauernder Krise ist der FCZ als Siebter bloss vier Punkte hinter dem FC Sion klassiert.

Der FCZ durchlebt das viel zitierte Wechselbad der Gefühle. Am Samstag blamierte er sich beim 0:1 gegen den FC Aarau bis auf die Knochen. 48 Stunden später defilierten Spieler und Verantwortliche durch die Innenstadt und liessen sich am Umzug des Zürcher Sechseläuten ein letztes Mal als Meister zünftig feiern.

Beim Frühlingsfest des (bürgerlichen) Zürich fehlte Bernard Challandes. Am Montagmorgen trennte sich der FCZ vom zuletzt erfolglosen Romand. Denn das emotionale Auf und Ab der letzten Tage ist symptomatisch für die gesamte Saison des Meisters. Auf grandiose (Champions-League-)Abende folgten pitoyable Auftritt in der Axpo Super League und umgekehrt.

So bezog der FCZ vier Tage nach dem Auswärtssieg gegen Milan ein 2:3 in Bellinzona. Oder er rang den Mailändern im Letzigrund nach toller Leistung ein 1:1 ab, nachdem er am Sonntag zuvor im Derby den Grasshoppers unterlegen war. In den letzten vier Spielen der Super League wechselten sich Sieg und Niederlage gleichmässig ab. Das ist jenseits der Ansprüche eines Titelverteidigers.

In der Meisterschaft waren den Zürchern die Felle schon im Herbst davongeschwommen. Weil der FCZ auch im Frühjahr und frei von Champions-League-Stress nicht in die Spur fand, bröckelte der Kitt im Triumvirat Canepa-Bickel-Challandes. Vor wenigen Tagen wollte der Präsident seinen Trainer (trotz Vertragsverlängerung im Herbst) nur noch bis zum Saisonende bestätigen. Nach dem 0:1 vom Samstag gegen Aarau war die Rückendeckung (fast) vollständig weg. Canepa beantwortete die Frage nicht, ob Challandes am kommenden Sonntag in Luzern noch Trainer sei.

Letztlich endete Challandes' knapp dreijährige Zeit in Zürich nicht einmal ein Jahr nach dem umjubelten Gewinn des Meistertitels. Die Konstellation führte zur bizarren Situation, dass der Trainer freigestellt wurde, obwohl die Klubführung anerkennt, dass die letzten zwölf Monate die besten der gesamten Vereinsgeschichte waren. "Mit dem Meistertitel 2009 und der Qualifikation für die Champions League hat der FC Zürich sportlich und wirtschaftlich ihm (Challandes) das erfolgreichste Jahr der Vereinsgeschichte zu verdanken", hiess es im Communiqué.

Wie schnell sich der Erfolg verflüchtigt, offenbarte das samstägliche Trauerspiel gegen Aarau. Acht Spieler aus der Startformation hatten auch Ende September im Mailänder Giuseppe Meazza begonnen. Doch diesmal bewegten sie sich nicht mehr kompakt und solidarisch über den Rasen, sondern verwirrt und blutleer. Ein Bild aus der zweiten Halbzeit wurde zum Symbol dieses FCZ: Trainer Challandes forderte sein Team wild gestikulierend auf, das Spiel schnell in die gegnerische Platzhälfte zu verlagern, während seine Akteure den Ball vor dem eigenen Strafraum seelenruhig hin- und her- und querspielten.

Nach nur 18 Punkten und fünf Siegen aus 13 Spielen der Rückrunde muss der Trainer als schwächstes Glied der brüchigen Kette gehen. Präsident Canepa und Sportchef Fredy Bickel nehmen indes auch die Spieler in die Pflicht. Deshalb seien alle Offerten betreffend Vertragsverlängerungen zurückgezogen worden. Sie haben beim FCZ realisiert, dass die Mannschaft nicht optimal zusammengestellt wurde. Die personelle Planung für die nächste Saison wird beim abtretenden Meister offenbar intensiv überdacht.