FUSSBALL: NACH YB GEWINNT AUCH DER FCB

Fussball

11.04.2010 

Basler Moral siegte

(Si) Das Spitzenduo der Axpo Super League bog in der 29. Runde erst spät und nach Rückständen auf die (2:1-)Siegesstrasse ein. YB schlug Bellinzona in der Nachspielzeit, Basel gewann beim FCZ dank einem Doppelschlag in der letzten Viertelstunde.

Nach dem samstäglichen YB-Sieg wehrte sich der FC Basel im Letzigrund mit aller Macht dagegen, von den Bernern auf neun Punkte distanziert zu werden. Nach einer guten Stunde im Klassiker gegen den FC Zürich hatte es für den Meisterschafts-Zweiten alles andere als vielversprechend ausgesehen. Der Schwung aus der Startviertelstunde war verloren gegangen, es fehlte an Spielwitz, und die Abwehr zeigte sich anfällig. Der Gastgeber bestimmte angetrieben vom starken Trio Xavier Margairaz, Dusan Djuric und Yassine Chikhaoui das Tempo.

Die Belohnung für das flüssige Spiel, das der FCZ aufzog, war das 1:0 nach 63 Minuten. Margairaz kam nach einer Flanke von Duric am weiten Pfosten völlig freistehend zum Kopfball. Der spielerische und technische Höhenflug des FCZ, der an bessere Zeiten erinnerte, hielt nach der Führung noch einige Minuten an. "Es fehlte wenig zum 2:0. Doch dann reagierte der FC Basel sehr stark", gestand FCZ-Coach Bernard Challandes.

Basel erhöhte den Druck. Die Spieler bewegten sich besser, brachten das Abwehrdispositiv der Gastgeber durcheinander, was in der ersten Stunde nur sehr sporadisch gelungen war. Herauszuheben ist dabei der junge Xherdan Shaqiri, der in der 75. Minute mit einem Schuss aus 25 m ein Traumtor erzielte, ehe er wegen Leistenproblemen ausgewechselt werden musste. Nur drei Minuten später sorgte Federico Almerares nach einem herrlichen Zuspiel von Scott Chipperfield für den Siegtreffer.

Innerhalb von einer knappen Viertelstunde, zwischen der 65. und 78. Minute, hatte sich der FCB den Sieg verdient. "Die Moral hat gesiegt", sagte Thorsten Fink, der Trainer des FC Basel, zum Unterschied zwischen den beiden Teams. "Wir glauben in dieser Saison immer an den Erfolg." Der FC Zürich, der nun seit 16 Partien gegen Basel nicht mehr gewinnen konnte, liess sich nach dem 1:0 zu weit in die Abwehr zurückdrängen und verdankte es Johnny Leoni, dass der Gegentreffer nicht früher fiel. Der Goalie zeigte zweimal gegen Chipperfield und einmal gegen Almerares Glanzparaden.

YB spät erlöst

Ohne die gesperrten Seydou Doumbia und Emiliano Dudar tat sich YB gegen Bellinzona schwer. Vorne waren die Berner ohne ihren Topskorer über eine Stunde lang harmlos, und hinten agierte die Abwehr ohne ihren Chef oft konfus und fehlerhaft. YB sah gegen den Tabellen-Vorletzten, der im ersten Spiel unter dem neuen Coach Roberto Morinini wie verwandelt auftrat und den Leader rund eine Stunde lang dominierte, daher dem ersten Punktverlust im Stade de Suisse seit Anfang November entgegen.

Am Ende hatte YB die über 20 000 Fans gleichwohl glücklich gemacht. Mit einem letzten Flankenball fand David Degen in der letzten Minute der Nachspielzeit den Kopf von Abwehrspieler François Affolter, und der 20-Jährige markierte seinen ersten Treffer in der Super League. Erst 20 Minuten zuvor hatte der Kameruner Henri Bienvenu den Ausgleich erzielt (73.). Der junge Stürmer nützte die Freiheiten nach einem Fehler von Bellinzonas Diarra.

"So wird man Meister, das habe ich schon seit Wochen gesagt", so YB-Trainer Vladimir Petkovic. Die drei Pflichtpunkte wurden nach dem 90-minütigen Krampf bejubelt wie drei Zähler in einem Spitzenspiel. Mit dem Sechs-Punkte-Polster kann YB nun den drei heiklen Auswärtsspielen gegen GC, Sion und Zürich, die in den nächsten vier Runden folgen, gelassener entgegenblicken.

St. Gallen behält Europa im Blick

Wenige Tage nach dem Out im Cuphalbfinal verbleibt St. Gallen zumindest in der Meisterschaft im Kampf um die Europacup-Plätze. Nach dem 3:1 gegen Luzern beträgt der Rückstand auf Rang 4 nur noch einen Punkt. Die grosse Figur war der 20-jährige Nico Abegglen. Der einheimische Stürmer erzielte noch vor Ablauf der ersten halben Stunde seine Saisontore sechs und sieben. Das ist eine beachtliche Bilanz für einen Debütanten, der von seinen 20 (Teil-)Einsätzen nur 11 von Beginn weg absolvierte. Beim 1:0 in der 19. Minute musste er nach einer zu kurzen Abwehr von FCL-Goalie Swen König nur noch ins leere Tor schiessen, beim zweiten Tor lief er nach einem gekonnten Steilpass von Verteidiger Schenkel alleine auf König zu (26.).

Luzern hatte zuletzt gegen Xamax zweimal gewonnen, doch der Auftritt in St. Gallen offenbarte, dass das (März-)Tief mit vier Niederlagen in Folge noch nicht überwunden ist. Nur in den ersten 15 Minuten waren die Innerschweizer in passabler Verfassung. Auch das Anschlusstor kurz vor der Pause durch Christian Ianu brachte die Zuversicht nicht zurück. St. Gallen dominierte das Spiel nach dem 1:0 klar. Durch die Schwächen in der Abwehr der Luzerner kamen die Ostschweizer immer wieder gefährlich vor das gegnerische Tor. Am Ende wäre ein höherer Sieg möglich gewesen, aber auch so kam der Aufsteiger zu einer Premiere: erstmals in dieser Saison schoss er in der AFG-Arena mehr als zwei Tore.

Wieder GC-Sieg dank Zarate

Gonzalo Zarate schoss die Grasshoppers wie schon im Herbst zum 1:0-Auswärtssieg gegen Xamax. Kurz vor der Pause traf der Argentinier mit einem präzisen Flachschuss (41.). Die Zürcher verdienten sich den dritten Auswärtssieg der Rückrunde, weil sie vor der Pause das abgeklärtere Team mit den besseren Chancen waren. In den zweiten 45 Minuten vergab GC zunächst das zweite Tor und musste so in der Schlussphase zittern. Trotz Unterzahl, Thierno Bah wurde nach 57 Minuten als zehnter Xamaxien in dieser Saison vom Platz gestellt, kamen die Neuenburger auf; Sanel Kuljic traf in der Nachspielzeit die Latte.

Aarau wie ein Zweitligist

Der FC Aarau nähert sich der Challenge League. Der direkte Klassenerhalt ist nach dem 0:4 in Sitten auch theoretisch nicht mehr möglich. Beunruhigender für Trainer Martin Andermatt und die gesamte Entourage des Schlusslichts ist aber die Art und Weise, wie der FCA vom FC Sion demontiert wurde. Der Gast war chancenlos, hatte ausser einigen Flanken keine Offensivaktion zu verzeichnen und agierte in der Abwehr dilettantisch. Spielerisch leicht und mit lediglich 45-minütigem Volleinsatz kamen die Walliser durch Tore von Vilmos Vanczak (7.), Emile Mpenza (13.), Alvaro Dominguez (37.) und Arnaud Bühler (66.) zum Kantersieg.