10.03.2010
(si) Nach dem Langläufer Dario Cologna im vergangenen Winter können sich in diesen Tagen zwei andere Schweizer Skisportler eine grosse Kristallkugel, die FIS-Trophäe für die Gewinner der Gesamtweltcups, sichern. Für Skispringer Simon Ammann dürfte das am Freitag in Lillehammer eine Formalität darstellen. Carlo Janka, wie Cologna und Ammann in Whistler zum Olympiasieger gekürt, hat seine Ausgangslage im Zweikampf mit Benjamin Raich im ersten von vier Rennen des Weltcup-Finales in Garmisch-Partenkirchen zumindest stark verbessert.
Während Benjamin Raich gestern Riesenslalom trainierte, feierte Carlo Janka seinen dritten Saisonsieg in der Königsdisziplin. Der 23-Jährige verwandelte so einen Rückstand von 46 in einen Vorsprung von 54 Punkten. Janka verdankte den jüngsten Coup nicht nur der einmal mehr eklatanten Steigerung im Vergleich zum Training, sondern hatte auch das nötige Glück. Der zweitklassierte Mario Scheiber verpasste seinen ersten Weltcupsieg um 0,02 Sekunden. Damit schliessen die Österreicher erstmals seit 1992 eine Weltcup-Saison ohne Abfahrtssieg ab. Damals war das halb so schlimm, weil Patrick Ortlieb in Albertville Olympiasieger wurde.
Das Glück des Tüchtigen
Den 3. Platz belegten die zeitgleichen Patrick Küng (erster Podestplatz im Weltcup) und Erik Guay -- mit sieben Hundertsteln Rückstand. Didier Cuche büsste als Achter nur 0,19 Sekunden ein -- so eng ging es noch selten zu und her. Janka lag bei der ersten Zwischenzeit noch 0,52 Sekunden hinter Scheiber. Bei der Aufholjagd profitierte der Bündner auch von der Tatsache, dass er -- im Gegensatz etwa zu Cuche -- bei optimaler Sicht fahren konnte. "Ich darf gar nicht darüber nachdenken, was das hätte bedeuten können, wenn Carlo auch nur zwei Zehntel langsamer gewesen wäre", sagte sein Trainer Sepp Brunner.
Janka hielt sich auch nach dem insgesamt siebten Weltcupsieg an seine Strategie. Er betonte vor allem, dass er überhaupt keinen Druck verspüre, weil die grosse Kristallkugel für ihn eine schöne Zugabe darstellen würde. Genau diese Einstellung macht Janka so stark. Sein Antipode Raich hat den Gesamtsieg schon zweimal im letzten Rennen verpasst und kann nicht mit der gleichen Unbeschwertheit an die Sache herangehen. Ausser der Super-Kombination in Val d'Isère hat der Pitztaler im Olympia-Winter noch nichts gewonnen.
Heute steht in Garmisch der Super-G auf dem Programm. "Da sollte ich noch einmal ein paar Punkte Vorsprung rausfahren", sagte Janka. Trainer Brunner mochte seine im Vorfeld geäusserte Einschätzung, wonach es ein Fifty-Fifty-Zweikampf sei, nicht nach oben korrigieren. "Im Riesenslalom sind die beiden gleich stark, den Slalom kann Raich gewinnen." Janka würde im Bedarfsfall auch den Tanz im Stangenwald riskieren -- trotz marginaler Aussichten auf einen Top-15-Rang und damit Punktezuwachs. Das Wunschszenario sähe natürlich vor, dass Janka schon nach dem Riesenslalom am Freitag als erster Schweizer Gesamtsieger seit Paul Accola im Winter 1991/1992 feststehen würde.
Küng nach dem Highlight in den Europacup
Im Swiss-Ski-Team gab es noch einen zweiten Gewinner. Patrick Küng fuhr nach zwei 11. Plätzen nicht nur erstmals unter die ersten zehn, sondern gleich aufs Podest. "Ein Top-Ten-Platz war mein Saisonziel -- und jetzt das!", sagte der 26-jährige Glarner. An den Olympischen Spielen war Küng wegen einer Bagatelle in die Negativschlagzeilen geraten. Vor seiner Heimreise hatte der Ersatzmann im Schweizer Haus eher gesittet als berauscht gefeiert. Skiverbandspräsident Urs Lehmann fand das nicht nur unprofessionell, sondern machte die Medien mit einer ungeschickten Aussage auch gleich noch auf den "Fall" aufmerksam.
Dank dem Podestplatz sind nun endgültig wieder die sportlichen Aspekte in den Vordergrund gerückt. Küng ist der Aufsteiger der Saison. Er hat den Weltcup-Fixplatz für den Sieg in der letztjährigen Europacup-Abfahrtswertung als Sprungbrett für den primär aus Verletzungsgründen verzögerten Durchbruch genutzt. Schon heute wird Küng noch einmal zu einem Europacup-Rennen antreten. Als Dritter des Zwischenklassements kann er beim Finale in Tarvisio einen Super-G-Fixplatz holen, womit er im nächsten Winter das Schweizer Startplatz-Kontingent in dieser Disziplin nicht belasten würde und jeweils ein zusätzlicher Fahrer zum Einsatz kommen könnte.