FORMEL 1: SPANNUNG UND SPEKTAKEL GARANTIERT

Formel 1

10.03.2010 

(Si) Michael Schumachers Comeback, vier Weltmeister am Start, ein Teilnehmerfeld mit einer breiteren Spitze -- die am Sonntag in Bahrain beginnende Formel-1-WM 2010 scheint prädestiniert für ein Spektakel erster Güte.

Es ist noch nicht allzu lange her, da hing der Fortbestand der vor 60 Jahren ins Leben gerufenen Formel-1-WM an einem seidenen Faden. Der Internationale Automobil-Verband FIA hatte sich mit den Teams aufs Fürchterlichste zerstritten. Der damalige Präsident Max Mosley war zur nicht mehr geduldeten Reizfigur geworden, mit der sich die Entscheidsträger der einzelnen Equipen eine Zusammenarbeit nicht mehr vorstellen konnten. "Budgetobergrenze" hiess im letzten Sommer das Schlagwort, welches das Fass (beinahe) zum Überlaufen gebracht hätte. Die von Mosley iniziierte Forderung nach einer drastischen Kostenreduzierung hatte bei den in der FOTA vereinigten Teams den Entschluss reifen lassen, der Formel 1 den Rücken zu kehren und eine eigene Rennserie ins Leben zu rufen.

Politik im Hintergrund

Es wird mittlerweile gespart in der Formel 1. Die Senkung des finanziellen Aufwands wird nunmehr indessen schrittweise vollzogen -- ein Businessplan, mit dem sich die Teams einverstanden erklären konnten. Zudem erfüllte die FIA die Forderung nach dem Rücktritt Mosleys, dessen Nachfolge der Franzose Jean Todt antrat. Die Idee einer "Piratenserie" war vom Tisch, die hohen Herren der Teams waren besänftigt. Die Politik rückte derart wieder wohltuend in den Hintergrund, in der Formel 1 stand fortan wieder der Sport im Mittelpunkt. Die weltweit wichtigste Rennserie hatte in den letzten Monaten auch ohne Streitereien um Geld und Macht einiges zu bieten. Die Formel 1 war auch so während des "Winterschlafs" Ausgangspunkt vieler (positiver) Schlagzeilen. Die Rettung des Sauber-Rennstalls durch den Gründer Peter Sauber höchstpersönlich, die ungewöhnlich zahlreichen Fahrer-Rochaden und natürlich die Rückkehr von Michael Schumacher hielten das Interesse konstant hoch.

Klare Strukturen in der Hierarchie sind nach den Testfahrten im Februar noch nicht auszumachen. Die Prognose, dass die WM 2010 eine der spannendsten werden könnte, scheint gleichwohl nicht allzu sehr gewagt. McLaren-Mercedes mit seinen Weltmeistern Jenson Button und Lewis Hamilton an Bord, Fernando Alonso mit dem Wechsel zu Ferrari, Michael Schumacher im Mercedes und Sebastian Vettel im Auto von Red Bull, das leistungsmässig dem starken Vorgängermodell sehr ähnlich sein soll, bieten allein Gewähr für Spektakel.

Brawn als "Bonus"

Durch das Comeback Michael Schumachers rückte die Affiche "Jung gegen Alt" in eine neue Dimension. Hier der Anfang Januar 41-jährig gewordene siebenfache Champion, dort die "jungen Wilden" wie Vettel oder Hamilton. Für den am Genfersee residierenden Rheinländer hält die teaminterne Konstellation eine weitere reizvolle Aufgabe bereit. Mit Nico Rosberg weiss er einen Stallgefährten an seiner Seite, der zu den Besten seines Fachs gehört. Mit Schumacher kehren auch die "echten" Silberpfeile zurück; nach der Übernahme des (Weltmeister-)Teams von Ross Brawn tritt Mercedes erstmals seit 55 Jahren wieder mit einem eigenständigen Team an. Die "deutsche Nationalmannschaft im Zeichen des Sterns" macht Nick Heidfeld perfekt, der sich nach seiner Ausbootung bei BMW-Sauber als Reservefahrer engagieren liess. Dass er mit Ross Brawn wieder jenen Mann im Kommandostand weiss, der ihn zu sieben WM-Titeln gelotst hat, kann Schumacher im (möglichen) Titelkampf durchaus als Bonus betrachten. Im Hause Mercedes geben sie sich trotz Schumacher und Brawn noch bedeckt; Siege werden nicht auf Anhieb erwartet. "Wir werden wohl nicht in der Lage sein, von Anfang an ganz vorne mitzufahren", sagt Schumacher und teilt damit die Einschätzung von Norbert Haug, dem Motorsportchef von Mercedes. "Klar sind wir scharf aufs Gewinnen, und mit dem waschechten Werkteam wollen wir umso mehr ganz vorne dabei sein. Das gelingt vielleicht noch nicht in den ersten Rennen. Doch ich bin überzeugt, dass wir an die Spitze kommen werden." Haug mag den Titelkampf nicht auf Fahrernamen reduzieren. Er sieht die WM vielmehr als Wettlauf in der Entwicklungsarbeit. Wer die beste Basis dazu habe und das höchste Tempo anzuschlagen vermöge, habe am Schluss die Nase vorn.

Noch mehr Brisanz als bei Mercedes birgt die Fahrer-Paarung bei McLaren, das nach dem Alleingang der "Stern-Truppe" vom Werk- zum Kundenteam mutierte. Es wird interessant sein zu beobachten, wie das Duell zwischen Titelhalter Button und seinem Vorgänger Hamilton ausgehen -- und wer sich von den beiden den (inoffiziellen) Status der internen Nummer 1 sichern wird. Button gibt sich (noch) gelassen. "Ich werde mich an Lewis' Seite weiter verbessern, und ihm wird es ähnlich ergehen. Auch bei Weltmeistern ist noch Platz für Verbesserungen."

Auch Ferrari mit Zündstoff

Mit der Unterschrift unter den für drei Jahre gültigen Vertrag mit Ferrari ging für Alonso ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung. Zusammen mit dem genesenen Felipe Massa bildet auch der Spanier ein Fahrer-Duo mit Zündstoff. Dass Alonsos Engagement bei den "Roten" an hohe Erwartungen geknüpft ist, versteht sich von selbst. Der neue Hoffnungsträger gibt sich trotzdem pragmatisch und stapelt (bewusst) tief. "Für mich wäre es kein Weltuntergang, wenn es nicht auf Anhieb mit dem Titel klappen würde." Mit dem neuen Auto aus Maranello scheint dem Weltmeister von 2005 und 2006 allerdings ein Gefährt zur Verfügung zu stehen, das höchsten Ansprüchen gerecht werden könnte.

Gleiches gilt für das neueste Modell von Red Bull. Mit dem erneut vom genialen Konstrukteur Adrian Newey entworfenen Wagen soll Sebastian Vettel Versäumtes nachholen; nach Rang 2 im Vorjahr solls für den Blondschopf diesmal der Titel sein. Vettel ist unter anderem für Promoter Bernie Ecclestone erster Anwärter auf den Platz ganz vorne. Das will beim kleinen Engländer mit den grossen Konti nach der Rückkehr seines Liebkindes Michael Schumacher etwas heissen.

Hinter den vier (Top-)Teams werden zusammen mit BMW-Sauber Toro Rosso-Ferrari, Renault, Force India-Mercedes, Williams-Cosworth im "Mittelfeld" erwartet. Den Neulingen HRT und Virgin und dem nach 16 Jahren Absenz auferstandenen Lotus-Team, die allesamt vom ebenfalls wieder eingestiegenen Cosworth-Werk mit Motoren beliefert werden, dürfte im Normalfall nur eine marginale Rolle zukommen.