04.03.2010
(Si) Mit den bevorstehenden Fernfahrten Paris - Nizza und Tirreno - Adriatico wird in Europa die Saison der Radprofis richtig eingeläutet. Die klassischen Eintagesrennen und vor allen Dingen die Tour de France bilden die Höhepunkte.
Schon Mitte Januar waren die Radprofis bei der Tour Down Under in Australien wieder bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Es folgten in Arabien die Katar- und die Oman-Rundfahrt, bevor auch in Europa zu den ersten Rennen gestartet wurde.
Aber dies war alles Vorgeplänkel: Paris - Nizza und Tirreno - Adriatico leiten schon über zur "classicissima" Mailand - San Remo. Die Fahrt durch die Lombardei an die ligurische Küste -- mit knapp 300 km noch immer das längste Eintagesrennen -- lockt die Radsportfreunde erst richtig an den Strassenrand und dürfte wie in der Mehrzahl der füheren Fälle mit einem Massenspurt enden.
Der April steht im Zeichen der Klassiker in Belgien und im Norden Frankreichs. Die Flandern-Rundfahrt steht auf der Wunschliste von Fabian Cancellara ganz zuoberst. Der Berner sinnt dabei auf Revanche. Letztes Jahr, als sein Saisonauftakt durch eine Erkältung sowie einen Trainingssturz beeinträchtigt war, wurde er 70 km vor dem Ziel in Meerbeke durch einen Kettenriss in der Mauer von Geerardsbergen aus dem Feld gerissen. Sein Augenmerk hat der Berner natürlich auch wieder auf den Pavés-Klassiker Paris - Roubaix gerichtet. Das Gold Race, die Flèche Wallonne und insbesondere Lüttich - Bastogne - Lüttich bilden wegen ihren topograhpischen Schwierigkeiten den Gegenpart zu den Rennen der ersten April-Hälfte.
Nach acht Jahren kehrt der Giro d'Italia nach ...Holland zurück. Die ersten drei Teilstücke werden weit entfernt von der heimischen Grenze ausgetragen. Nach dem Transfertag geht es im Piemont weiter. Das Finale kündet sich als ausserordentlich schwer an. Der Mortirolo-Pass, der Anstieg durchs Puschlav nach Livigno sowie der Gavia-Pass müssen befahren werden -- zum Glück nicht am gleichen Tag. Auch in der Vuelta im September wird es an Steigungen nicht mangeln. Den Organisatoren ist es gelungen, zwei Anstiege ausfindig zu machen, über die ihre Rundfahrt zuvor noch nie geführt hat.
Armstrong wieder gegen Contador
Letztes Jahr trugen sie noch die Farben des gleichen Teams (Astana). Dennoch wurde Lance Armstrong im Jahr seines Comebacks nicht müde, in der Tour de France an Teamcaptain Alberto Contador herumzumäkeln. Der Spanier entschied die wichtigste Rundfahrt für sich. Kurz darauf trennten sich die Wege der beiden. Armstrong gründete sein eigenes Team RadioShack. Im Juli kommt es nun auf den Strassen Frankreichs zum grossen Showdown zwischen Armstrong und Contador. Sollte der Texaner gewinnen, wäre er mit 39 Jahren der älteste Gewinner der Tour de France. Die Bestmarke hält bisher Firmin Lambot. Der Belgier war 1922 36 Jahre alt, als er seinen zweiten Gesamtsieg nach 1919 feiern konnte.
Neben RadioShack wagte sich das britische Sky Team mit einem enormen finanziellen Aufwand als zweite neue Sportgruppe ins Abenteuer ProTour. Das Ziel ist ehrgeizig: Innert fünf Jahren soll der erste britische Tour-Sieger Tatsache werden. Auf dem Transfermarkt lockten die Verantwortlichen mit offenem Geldbeutel. Trotzdem gelang es ihnen nicht, den Supersprinter Mark Cavendish zu verpflichten.
WM in Übersee
Nach Kanada (1974, Montreal), Venezuela (1977, San Cristobal), den USA (1986, Colorado Springs) Japan (1990, Utsunomyia), Kolumbien (1995, Duitama) und erneut Kanada (2003, Hamilton) werden die Weltmeisterschaften zum siebenten Mal in ihrer Geschichte in Übersee ausgetragen. Den Zuschlag hat Australien erhalten, Austragungsort ist Ende September und Anfang Oktober Melbourne/Geelong. Der Abstecher auf den Fünften Kontinent verursacht den europäischen Verbänden erhebliche finanzielle Aufwendungen. Aufgrund der grossen und langen Radsport-Tradition in Australien ist die Vergabe der Titelkämpfe auf die andere Seite der Erd-Halbkugel aber durchaus gerechtfertigt. Der Weltverband UCI hat im September aber noch zwei neue ProTour-Rennen nach Kanada vergeben, womit weder den Veranstaltern noch den Sportgruppen ein Dienst erweisen wird.