02.03.2010
(Si) Die meisten WM-Teilnehmer bestreiten heute Mittwoch ihr letztes Testspiel vor der Bekanntgabe des 23-Mann-Kaders für das Saison-Highlight in Südafrika am 1. Juni. Es stehen 28 der 32 WM-Teilnehmer im Einsatz, unter ihnen auch die Schweizer Gruppengegner Spanien und Honduras.
Spanien bestreitet eines der Testspiele, die sich am attraktivsten ankündigen. Der Europameister gastiert beim WM-Finalisten Frankreich. Für das Team von Vicente Del Bosque erübrigen sich WM-Tests eigentlich. Seit drei Jahren hat die "Furia Roja" eine einzige Partie (0:2 gegen die USA beim Confederations Cup) verloren; die WM-Qualifikation schloss es mit zehn Siegen in ebensovielen Spielen ab.
Spanien ist seit dem EM-Titel 2008 in Topform, spielt stilsicher und gewinnt mit einer Leichtigkeit, die der "Seleccion" den Status des WM-Topfavoriten eingebracht hat. Die Spanier schaffen es seit Monaten dank einem effektiven und zielstrebigen Passspiel, Kunst und Effizienz zu verbinden. Del Bosque kann in Paris im Stade France, wo Spanien 1997 das Stadion-Eröffnungsspiel bestritt (0:1), auf alle seine Leistungsträger zählen, unter anderen auch wieder auf den lange Zeit verletzten Fernando Torres.
Frankreich unter Druck
In fast jeglicher Hinsicht anders und schlechter sieht es bei Frankreich aus. Die "Equipe tricolore" benötigt Testspiele, nachdem sie im letzten Jahr nicht einmal wirklich überzeugen konnte. Tiefpunkt war die glückhaft überstandene WM-Barrage gegen Irland. "Wir waren damals grottenschlecht", gesteht Arsenals Aussenverteidiger Bakary Sagna. "Wiedergutmachung ist angesagt. Wir müssen unseren Fans gegen den Europameister zeigen, dass wir guten Fussball spielen können."
Solches und Ähnliches konnte man von den französischen Spielern in den letzten Monaten vor praktisch jedem Länderspiel hören. Zu sehen war dann aber von besserem Spiel nichts. Domenech scheint dieser erste Test des Jahres nicht ganz geheuer. Der unbeliebte Sélectionneur sprach bereits im Vorfeld die sieben verletzten Leistungsträger an (u.a. Eric Abidal, William Gallas und Karim Benzema) und erinnerte daran, dass Frankreich 2006 mit einer Niederlage ins Jahr gestartet war, die WM dann aber mit dem Finaleinzug positiv verlief.
Deutschland sucht die Ruhe
Ein weiteres Duell zweier fussballerischer Grossmächte steigt in München zwischen Deutschland und Argentinien. Auch hier gibt es mit Deutschland ein Team, das auf gute Resultate zurückblickt, und einen Gegner, der noch viel zu beweisen hat. Deutschland nimmt sich dennoch in Acht. Bundestrainer Joachim Löw fordert von seinen Schützlingen vollste Konzentration: "Die Argentinier sind ein spielstarker Gegner, der uns sicherlich alles abverlangen wird."
In Erinnerung dürften Löw noch die Diskussionen sein, die die 1:4-Testspiel-Niederlage vor vier Jahren in Italien, unmittelbar vor der Heim-WM, ausgelöst hatte. Damals war selbst der spätere "Sommermärchen-Regisseur" Jürgen Klinsmann heftig attackiert worden. Nach dem vielen Gerede rund um die vorerst gescheiterte Vertragsverlängerung von Löw in den letzten Wochen würde der dreifache Weltmeister gern mit einem guten Resultat für Ruhe sorgen.
Maradona und die Kraft der "kleinen Leute"
Gegen Ruhe entschied sich der argentinische Verband bereits im Herbst 2008, als er Diego Maradona zum Nationalcoach hievte. Der ehemalige Ausnahmekönner und jetzige Selbstdarsteller macht in seiner Funktion einen chaotischen Eindruck. 102 Spieler erhielten in den letzten anderthalb Jahren ein Aufgebot.
Die WM-Qualifikation wurde trotz eines beeindruckenden Kaders nur mit Ach und Krach am letzten Spieltag geschafft. Die heimischen Journalisten hat er spätestens seit seiner Hass-Tirade im letzten Oktober gegen sich aufgebracht. "Die Leute von der Strasse geben mir aber die Kraft, die ich an die Spieler weitergebe", relativierte der 49-Jährige seine wachsende Unbeliebtheit, während seine Brillantohrringe im Blitzgewitter der Fotografen funkelten.
Honduras mit seinen Legionären
Neben Spanien bestreitet mit Honduras ein zweiter Schweizer WM-Gegner ein Testspiel. Die Honduraner reisten über Miami nach Istanbul, wo sie im Sükrü Saracoglu, dem Heimstadion von Fenerbahce, auf die Türkei treffen. Im Gegensatz zum ersten Testspiel des Jahres gegen die USA (3:1) treten die Zentralamerikaner mit acht Legionären an, unter ihnen David Suazo (Genoa) und Wilson Palacios (Tottenham). Chile sagte seine in dieser Woche geplanten zwei Testspiele wegen des Erdbebens ab.
Insgesamt stehen heute 45 Testspiele auf dem Programm, darunter acht Partien zwischen WM-Teilnehmern, wie etwa Italien gegen Kamerun oder Holland gegen die USA. Auch die vier Schweizer Gruppengegner während der EM-Qualifikation stehen im Einatz: England empfängt Ägypten, Wales spielt gegen Schweden, Montenegro reist nach Mezdonien und Bulgarien misst sich mit Polen.