25.02.2010
(Si) Das russische Eishockey-Nationalteam verlor erstmals seit 1960 bei Olympia gegen Kanada. Die Schuld am 3:7-Debakel musste Torhüter Jewgeni Nabokow auf sich nehmen.
Fragwürdige Leistungen von Goalies verhinderten in den letzten Jahren mehrere russische Medaillengewinne oder Titel. Nabokows Flops liessen Enttäuschungen wieder aufleben, die durch die zwei WM-Titel von 2008 (in Kanada) und 2009 (in Bern) verdrängt schienen. Vor fünf Jahren kassierte Maxim Sokolow im WM-Halbfinal im ersten Abschnitt drei "Eier"; Russland verlor 3:4. An der Heim-WM 2007 stellten die Russen das mit Abstand stärkste Team, Keeper Alexander Jeremenko vergeigte aber mit einem Fehlgriff in der Verlängerung des Halbfinals gegen Finnland den Titel.
Natürlich unterlag das Team von Slawa Bykow den entfesselten Kanadiern nicht nur wegen der Leistung von Jewgeni Nabokow. Die Russen wurden von Kanada sogar in allen Bereichen ausgespielt. Dennoch: vier Gegentore im ersten Abschnitt in einem derart kapitalen Spiel bleiben inakzeptabel -- und führten letztlich zur zweitklarsten Niederlage Russlands bei Olympia. Nabokow: "Den Kanadiern gelang viel zu früh das erste Tor. Danach brachen bei mir und meinen Vorderleuten alle Dämme." Nabokow sah beim 0:2 von San-Jose-Teamkollege Dan Boyle und beim 1:4 von Brenden Morrow schlecht aus.
Gemäss den russischen Beobachtern trägt Coach Slawa Bykow, der einstige Stürmer-Held von Fribourg-Gottéron, aber mindestens ebenso grosse Schuld am Ausscheiden wie Nabokow. Die russischen Medien forderten seit Turnierbeginn den Einsatz von Ilja Brisgalow (Phoenix Coyotes). Nabokow haftet seit Jahren das Image an, im entscheidenden Moment zu versagen -- nicht nur mit dem Nationalteam, auch in den NHL-Playoffs mit den San Jose Sharks. Zwar wurde Russland 2008 in Québec mit Nabokow im Tor Weltmeister; auch damals glänzte der gebürtige Kasache aber nicht, erst ein später Hattrick von Ilja Kowaltschuk rettete nach einem 2:4-Rückstand im Final gegen Kanada noch den Titelgewinn.
Ganz anders Brisgalow: Brisgalow erwies sich letzten Frühling als Russlands WM-Held. Mit 37 Paraden stahl er in Bern den Kanadiern die Goldmedaillen (2:1). In Vancouver wurde Brisgalow erst eingewechselt, als nach 24 Minuten beim Skore von 1:6 alles verloren war. Er kassierte bloss noch ein weiteres Gegentor. "Von diesen Olympischen Spielen habe ich mir viel mehr versprochen", meinte Brisgalow am Ende frustriert.
Bykow erhielt nach dem Debakel von den Medien eine Breitseite, weil er Nabokow erst bei 1:6 und nicht spätestens nach dem ersten Abschnitt (bei 1:4) auswechselte. Bykow: "Aber hätte es etwas gebracht? Die Kanadier spielten schlicht zu stark für uns. Wir konnten uns nach dem frühen Rückstand nie mehr aus dem Druck befreien. Was wir auch probierten, nichts gelang."