FUSSBALL: SCHWEIZ GEGEN ENGLAND

Fussball

07.02.2010 

(Si) Die Schweiz wurde für die EM-Ausscheidung 2012 in eine interessante und sicherlich nicht übermächtige Gruppe gelost. In der Gruppe G bekommt es das Team von Ottmar Hitzfeld mit England, Bulgarien, Wales und Montenegro zu tun.

"England ist natürlich klarer Favorit, aber wir wollen um den Gruppensieg spielen und uns nicht via Barrage qualifizieren müssen", zeigte sich Hitzfeld schon kurz nach der gestrigen Auslosungszeremonie im Warschauer Kulturpalast vom Ehrgeiz gepackt. Schafft er die Qualifikation für die EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine, wäre er erst der dritte Coach nach Roy Hodgson (1994 und 96) und Köbi Kuhn (2004 und 06), der unser Nationalteam zweimal in Folge an eine Endrunde gebracht hätte.

Schewtschenko zog das Los - Die Schweizer Delegation mit Hitzfeld, SFV-Präsident Peter Gilliéron, dem Nationalmannschafts-Delegierten Peter Stadelmann, Team-Manager Philipp Ebneter und Medienchef Marco von Ah musste gestern in der polnischen Hauptstadt ziemlich lange warten, ehe der ukrainische Stürmerstar Andrej Schewtschenko das Schweizer Los aus Topf 2 zog. Erst waren die Töpfe 6, 5, 4 und 3 geleert worden, so dass die ersten drei Gegner (Montenegro, Wales und Bulgarien) bereits bekannt waren, als die Schweiz in die Fünfergruppe G gezogen wurde. Danach begann das spannende Warten auf den grossen Widersacher aus dem Topf 1 mit den neun zurzeit stärksten Teams Europas. Nur noch England, Portugal und Titelverteidiger Spanien befanden sich im Topf, ehe England in die Schweizer Gruppe gezogen wurde. Hitzfeld: "Das ist natürlich ein Klassiker und für jeden meiner Spieler eine grosse Herausforderung, in einem englischen Stadion mit der speziellen Atmosphäre auf so viele Weltklassespieler zu treffen."

Erst ein Sieg - Der Lörracher ist sich bewusst, dass die Schweizer Bilanz gegen England nicht zu grosser Euphorie berechtigt. Sieben Mal traf die Schweiz bisher in EM- oder WM-Pflichtspielen auf England, nur einmal gelang ein Sieg. In der Qualifikation für die WM-Endrunde 1982 in Spanien verlor das Team von Leon Walker erst in London 1:2, ehe Paul Wolfisberg mit seinen "Wölfen" am 30. Mai 1981 in Basel die Sensation gelang. René Scheiwiler und Claudio Sulser schossen die Tore zum 2:1-Erfolg, der die Schweiz aber nicht nach Spanien führte. Neben England hatten auch Ungarn und Rumänien in der Endabrechnung vor der Schweiz gelegen.

Zu weiteren Duellen mit dem Fussball-Mutterland ist es bei der WM 1954 in der Schweiz (0:2), in der EM-Ausscheidung 1972 (2:3 und 1:1) sowie an den EM-Endrunden 1996 in England (1:1) und 2004 in Portugal (0:4) gekommen. Die letzte WM-Qualifikation hatte das Team von Fabio Capello (It) mit beinahe makelloser West absolviert. Erst als es nach acht Siegen in Serie schon für die WM in Südafrika qualifiziert war, verlor England in der Ukraine 0:1.

Erfreulicher als gegen England sehen die Bilanzen dagegen mit Bulgarien (2:0 und 3:2 in der EM-Ausscheidung für Schweden 1992) und Wales (zweimal 2:0 in der EM-Qualifikation für Belgien und Holland im Jahr 2000) aus. Hitzfeld: "Die Bulgaren haben wir im Testspiel vor einem Jahr in Genf (1:1, Anm. d. Red.) als technisch und offensiv starken Gegner kennengelernt. Das ist eine Stimmungsmannschaft und wir können diese Stimmung mit unserer Leistung beeinflussen. In die Partien mit Wales gehen wir mit der Gewissheit, dass wir die beiden einzigen Pflichtspiele gewonnen haben, aber dass es nicht einfach werden wird."

Unbekanntes Montenegro - Gegen Montenegro hat unsere Nationalmannschaft noch nie gespielt. Der seit 2006 eigenständige Staat rangiert im Klassement der Nationalteams, das der Auslosung am Sonntag zugrunde lag, auf Position 39 und nahm in den letzten beiden Jahren erstmals an einer WM-Ausscheidung teil. "Diesen Gegner kennen wir am schlechtesten und müssen uns dementsprechend gut vorbereiten. Das Auswärtsspiel wird wohl in hitziger Ambiance stattfinden und die Tagesform den Ausschlag geben", blickt Hitzfeld dem Duell mit dem mutmasslichen Gruppen-Aussenseiter aus Ex-Jugoslawien entgegen. Erst am Samstag wurde mit dem früheren kroatischen Weltklassespieler Zlatko Kranjcar (53) der neue Nationalcoach der Montenegriner vorgestellt.

Spielplan-Konferenz am 15. März - Die Ausscheidungsphase beginnt am 3./4. September mit der ersten Runde und endet am 15. November 2011 mit den Barrage-Rückspielen. Für die Erstellung des Spielplanes treffen sich die fünf Verbände der Gruppe G am 15. März in Zürich zu einer Termin-Konferenz. Werden sie sich nicht einig, wird die UEFA danach den Spielplan auslosen. Nur die Sieger der neun Gruppen und der beste Zweitplatzierte qualifizieren sich direkt für die EM vom 9. Juni bis 1. Juli 2012 in Polen und der Ukraine. Die acht weiteren Gruppenzweiten spielen in vier Playoff-Duellen die restlichen vier EM-Startplätze aus. Die Gastgeber Polen und Ukraine sind automatisch qualifiziert.