FUSSBALL: VORSCHAU: YOUNG BOYS BERN - FC BASEL

Fussball

04.02.2010 

Der Zweikampf um den Titel wird lanciert

Beginn des Berner Leidens und der Basler Aufholjagd

(si) Zum dritten Mal in den letzten vier Jahren nimmt der FC Basel in der Rückrunde der Axpo Super League die Verfolgung des Leaders auf. Leader YB ist überzeugt, den Vorsprung ins Ziel bringen zu können. Denn Bern sehnt sich nach einem Titel.

So deutlich wie der derzeitige Punkteabstand zwischen Leader und Verfolger sind die Meinungsunterschiede unter den Schlüsselspielern der zehn Super-League-Klubs. Obwohl die Young Boys das Klassement mit sieben Punkten Vorsprung anführen, legten sich in der Umfrage der "SonntagsZeitung" nur vier Akteure auf die Berner als Meister fest. Ebenso viele Voten erhielt der FC Basel. Zwei Spieler wollten sich nicht festlegen, einer davon war YB-Goalie und -Captain Marco Wölfli.

Für die Berner Fans ist der erste Meistertitel seit 1986 ein Muss. Die Frage, ob YB wieder einmal vom "Chnöischlotteri" befallen wird, stellt sich für sie gar nicht erst. Wenn Trainer Vladimir Petkovic und die Vereinsführung davon sprechen, "einen Pokal zu wollen", dann kann es sich ohnehin "nur" noch um die Trophäe für den Meister handeln. Im Cup sind die Young Boys im Viertelfinal kläglich an Challenge-League-Verein Lausanne gescheitert...

Ankündigungen wie jene von Petkovic sind Musik in den Ohren der Supporter. Sie erwarten ein selbstbewusstes Team, das sich seine Chancen auf den Titel nicht dadurch schon nimmt, indem es schon vor Rückrundebeginn zu ängstlich auftritt. "Die Mannschaft hat einen Reifeprozess durchlaufen", sagte Wölfli. "Wir lassen uns nicht leicht aus der Ruhe bringen."

Hohe Wellen wirft just vor dem Aufeinandertreffen der beiden besten Teams des Landes ein möglicher Transfer. Gilles Yapi teilte den Young Boys im Winter mit, er wolle den Verein nach dieser Saison verlassen. Dass ausgerechnet der mutmassliche Hauptkonkurrent Basel zu den grössten Interessenten zählt, wird (logischerweise) gar nicht gern zur Kenntnis genommen. Transfers von Schlüsselspielern innerhalb der Liga in den letzten Jahren können an einer Hand abgezählt werden: Boris Smiljanic (in der Winterpause 2002/03 von GC zu Basel), Mladen Petric (2004 von GC zu Basel) und Carlitos (2007 von Sion zu Basel).

Ob Yapi im Sommer tatsächlich die Fronten wechselt, werden die kommenden Tage und Wochen zeigen. Fakt ist, dass das Nervenflattern bei den Young Boys in jüngster Vergangenheit oftmals dann begann, als wichtige Entscheidungen bevorstanden. Deshalb trauen auch längst nicht alle Experten den Bernern zu, die titellose Phase endlich zu beenden. Die Erinnerungen an gute, letztlich verspielte Ausgangslagen liegen noch nicht einmal zwei Jahre zurück. Sei es die Meisterschafts-Finalissima 2008 oder der verlorene Cupfinal im letzten Jahr, als YB gegen Sion ein 2:0 noch verspielte. "Diesmal will ich am Saisonende nicht nach Erklärungen suchen müssen", sagte Mario Raimondi der "Berner Zeitung".

YB und Andy Murray

Vor einer delikaten, aber dennoch nicht unlösbar scheinenden Aufgabe steht der FC Basel. Fast genüsslich kann der erste und einzige ernsthafte Verfolger der Young Boys dem Gegner die Favoritenrolle zuschieben und nützte diese Gelegenheit immer wieder. Abgerechnet werde nach 36 Runden, hiess es. Zu Beginn und zum Ende der Rückrunde kommt es zum Direktduell mit YB, der FCB hat es in den eigenen Händen respektive Füssen, Boden gutzumachen. "Uns ist bewusst, dass am Sonntag gleich ein wegweisendes Spiel ansteht. Für den weiteren Saisonverlauf hängt sehr viel davon ab", sagt Marco Streller. "Wir müssen gewinnen. Aber selbst wenn wir verlieren, ist noch nicht alles verloren."

Zusammen mit Bundesliga-Rückkehrer Alex Frei bildete Streller das treffsicherste Stürmerduo der Liga, beide erzielten je elf Tore und erfüllten damit die geheimen Erwartungen von Vizepräsident Bernard Heusler schon in der Hinrunde. Doch es benötigte bei den Kumpels aus Aescher Zeiten wie auch beim gesamten FCB-Team d a s Erfolgserlebnis, das den Knopf löste. "Das 2:0 Mitte September in der Europa League gegen die AS Roma gab uns ein gewisses Selbstverständnis und -vertrauen, das wir vorher nicht hatten", so Streller. Mit einem Startsieg, ist sich der ex-aequo drittbeste Torschütze der Liga sicher, werde es in Basel wieder diese Welle der Euphorie geben wie in der Saison 2002/03, "als wir in der Champions League so stark waren". "Ich spüre, dass der FCB wieder das Wichtigste in der Stadt ist. Auf dieser Welle würden wir gerne mitsurfen."

Den Grund, wieso die Young Boys mit Vorteilen in die Rückrunde starten, sieht Streller so: "YB hatte den Vorteil, dass es mit eingespielter Mannschaft, bekanntem System und altem Trainer in die Saison gehen konnte." Der Satz, bei ihnen habe der Prozess der Teamfindung einige Zeit gebraucht, sei nun nun aber abgeschlossen, wirkt nicht wie eine Kriegserklärung nach Bern, sondern wie eine Feststellung. Streller will nicht unnötig Öl ins Feuer giessen. Die Favoritenrolle schiebt er aber dennoch elegant an den Gegner vom Sonntag ab. "Wenn du für den FC Basel spielst, bist du eigentlich immer Favorit, aber wenn man sieben Punkte Rückstand hat... Ich vergleiche die Situation für YB mit jener für Andy Murray. Der hatte vor dem Australian Open auch den Druck, erstmals seit 76 Jahren einen Titel für Grossbritannien zu gewinnen..."

Die Punkteabstände zwischen dem Ersten und Zweiten nach Halbzeit der Meisterschaft seit Schaffung der Super League:

Saison: Leader .. Punkte vor... und Titelverteidiger

2009/10: YB 7 vor Basel, 18 vor Zürich

2008/09: Zürich 4 vor Basel

2007/08: Basel 6 vor Zürich

2006/07: Zürich 8 vor Sion u. St. Gallen, 10 vor Basel

2005/06: Basel (TV) 8 vor FCZ

2004/05: Basel (TV) 7 vor Thun

2003/04: Basel 14 vor YB, 32 (!) vor GC