03.02.2010
(Si) Mit 14 Medaillen, darunter fünf goldenen, übertraf die Schweizer Mission die Erwartungen an den Olympischen Spielen 2006 von Turin deutlich und etablierte sich als Wintersport-Nation Nummer 8. Ein ähnlich erfolgreicher Auftritt darf auch in Vancouver erhofft werden.
Die Top 8 bei Olympischen Winterspielen sind ein ehrgeiziges Ziel, das am letzten Montag vom Exekutivrat von Swiss Olympic im neuen Spitzensport-Konzept bestätigt worden ist. Von der phasenweise diskutierten Zielsetzung Top 6 wurde Abstand genommen. Gian Gilli, der Schweizer Chefcoach für Vancouver, rechnet damit, dass erneut 14 bis 15 Medaillen notwendig sein werden, um unter die besten 8 Nationen vorzustossen. "Für 10 bis 12 Medaillen würde ich unterschreiben", sagte er, "ich bin jedoch überzeugt, dass unser Potenzial grösser ist. Wir haben ein sehr starkes Team."
Als neue Disziplin gegenüber Turin 2006 hinzu gekommen ist Skicross, bei dem die von Mike Schmid angeführten Schweizer als Medaillenkandidaten gelten -- abgesehen davon, dass die Eidgenossen in neuen Sportarten meist hervorragend abschneiden. 8 der 14 Edelmetall-Auszeichnungen von 2006 stammten aus Disziplinen ohne grosse olympische Vergangenheit.
Schwächer als bei den Spielen der letzten Olympiade erscheint auf den ersten Blick das Schweizer Snowboard-Team. Gillis Vorgänger Werner Augsburger hatte dies 2006 vorausgesehen: "Das Resultat von Turin in Vancouver zu wiederholen, wird brutal schwierig sein -- schon nur, wenn man die mögliche Entwicklung im Snowboard in Betracht zieht." Diese "Entwicklung" war ernüchternd: Goldgewinnerin Daniela Meuli (Parallel-Riesenslalom) zurückgetreten, Goldgewinnerin Tanja Frieden (Boardercross) verletzt und zurückgetreten, Goldgewinner Philipp Schoch (Parallel-Riesenslalom) verletzt und nicht qualifiziert; nur noch Silbergewinner Simon Schoch (Parallel-Riesen) ist von den vier Snowboard-Medaillisten von 2006 auch in Vancouver noch dabei. Dafür hat sich die Ausgangslage der alpinen Skirennfahrer (trotz den verletzungsbedingten Ausfällen von Lara Gut, Fränzi Aufdenblatten und Martina Schild) massiv verbessert; Simon Ammanns Formstand liegt weit über jenem von 2006; die Langläufer haben sich im Windschatten von Dario Cologna zu einem veritablen Hoffnungsposten entwickelt; Bob und Curling sind so medaillenträchtig wie eh und je; Stéphane Lambiel wurde vom olympischen Wettkampffieber wieder gepackt; und am Snowboardhimmel blinken neue Stars wie Iouri Podladtchikov.
Seit Tagen weilen drei Mitarbeiter des Instituts für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) aus Davos in olympischen Gefilden. Nach Vorbereitungen in den vergangenen Jahren vor Ort nehmen sie im Gelände der Alpinen und der Langläufer in Whistler sowie bei den Snowboardern und Freestylern in Cypress exakte Messungen bezüglich Schneebeschaffenheit vor, um den Schweizer Teams wertvolle Tipps geben zu können. Geht man von den angekündigten Wetterkapriolen aus (und dass 50 Prozent der Rennen verschoben werden könnten), dann dürfte sich dieser Spezialservice erst recht als lohnend erweisen. Optimal vorbereitetes Material könnte das Zünglein an der Waage spielen.
Der Missionschef hofft im Übrigen auf einen Paukenschlag. "Es wäre ein phantastischer Beginn", so Hanselmann, für das mit 146 Athletinnen und Athleten grösste Schweizer Team aller Zeiten, "wenn wir schon am ersten Wettkampftag Medaillen aus der Männer-Abfahrt und dem Springen von der Normalschanze feiern könnten."