SEGELN: DAS ALTE PROBLEM IN DER NEUEN SAISON

Segeln

22.01.2010 

(Si) Stanislas Wawrinka setzte am Australian Open die Serie verpasster Möglichkeiten an Grand-Slam-Turnieren fort: Er unterlag Marin Cilic 6:4, 4:6, 3:6, 3:6.

In der neuen Saison bekundet Stanislas Wawrinka die altbekannten Probleme. Der 24-jährige Romand muss weiter damit leben, dass er nicht als Mann für die grossen, wichtigen Spiele gilt. Dass Wawrinka seine (hochgesteckten) Rankingziele in den letzten zwei Jahren verpasste, liegt vor allem an der mageren Ausbeute an den Major-Turnieren. In seinen bislang 20 Grand-Slam-Turnieren besiegte Wawrinka erst einmal einen Top-20-Spieler: Mariano Puerta 2005 am US Open. Diesem Sieg gegen einen argentinischen Sandhasen auf Hartplatz stehen zehn Niederlagen gegenüber.

Starke Nerven und mentale Stärke eines Tennisprofi lassen sich gut anhand der Tiebreak-Bilanz messen. Auch in dieser Statistik belegt "Stan the man" unter den Top-20 klar den letzten Platz: Von 128 Tiebreaks gewann Wawrinka bloss 54. Von den hinter Wawrinka klassierten Spielern weist erst Nicolas Almagro (ATP 25) schlechtere Tiebreak-Werte auf (48:76). Zum Vergleich: Roger Federer hat von 403 Tiebreaks nur 138 verloren.

Was lief diesmal gegen Marin Cilic schief? Wawrinka: "Ich begann die Partie bewusst vorsichtig und defensiv. Diese Taktik hat am Anfang gut funktioniert, Marin (Cilic) war im zweiten Satz immer noch nicht im Spiel drin. Aber er steigerte sich. Ich versuchte in der Folge mein Spiel umzustellen und aggressiver aufzutreten, aber er fand immer auf alles die richtige Antwort." Der Bruch in Wawrinkas Spiel erfolgte Mitte des zweiten Satzes nach einer 6:4, 2:1-Führung. Mit einem Doppelfehler ermöglichte Wawrinka bei 2:2 dem Gegner die dritte Breakmöglichkeit, die dieser nutzte. "Hätte ich im zweiten Satz noch ein- oder zweimal den Aufschlag durchgebracht, wäre der Druck auf Cilic gross geworden. Dann hätte es zum Sieg reichen können."

Die in den ersten zwei Runden noch brillante Aufschlags-Effizienz liess nach dem ersten Break aber enorm nach. In sieben hintereinander gewonnenen Sätzen hatte Wawrinka alle Aufschlagspiele durchgebracht. Cilic aber nahm dem Romand vom 2:2 im zweiten Satz bis zum 4:2 im vierten Durchgang fünf von elf Aufschlagspiele ab.

Warum Wawrinka ausgerechnet an den wichtigsten Turnieren gegen die Top-20-Spieler nicht gewinnen kann, ist der Schweizer Nummer 2 seblst ein Rätsel. "Wenn ich die Antwort geben könnte, sähen die Resultate wohl anders aus", sagte er. Wawrinka hintersinnt sich wegen der mageren Ausbeute indes (noch) nicht: "Nur ausgezeichnete Spieler schaffen es in die Top 20. Bislang spielte ich nicht gut genug, um an den grössten Turnieren gegen diese Kaliber zu gewinnen. Wenn es mir aber dereinst gelingt, werde ich den nächsten Schritt nach vorne machen."

Vorerst wenden sich Wawrinkas Gedanken aber erstmal von der ATP-Tour ab. Seine Frau erwartet in den nächsten Wochen das erste Kind, deshalb will Wawrinka nun "so schnell wie möglich nach Hause". Das nächste Turnier bestreitet er -- sofern in der Familie alles nach Plan verläuft -- erst Mitte März in Indian Wells.

Kim Clijsters deklassiert

In 52 Minuten platzte der potenzielle Viertelfinal zwischen den belgischen Comeback-Königinnen Justine Henin und Kim Clijsters. So lange dauerte das Drittrundenspiel von US-Open-Siegerin Clijsters. Sie unterlag Nadia Petrowa 0:6, 1:6. Es war die klarste Niederlage in Clijsters' Karriere -- und das Resultat widerspiegelte den Spielverlauf. Clijsters holte in den ersten sieben Games bloss fünf Punkte. "Ich stand komplett neben den Schuhen", so Clijsters. "Gewiss spielte Petrowa gut, andererseits produzierte ich nur Fehler, und so musste sie gar nichts Grosses leisten."

Probleme bekundete auch Justine Henin. Im achten Spiel seit dem Comeback lag Henin gegen Alisa Kleybanowa 3:6, 1:3 und 15:40 im Rückstand, ehe sie sich noch mit 3:6, 6:4, 6:2 durchsetzte. In den Achtelfinals trifft Henin auf Yanina Wickmayer. Wickmayer musste als Nummer 16 der Welt am Australian Open durch die Qualifikation, weil sie beim Anmeldeschluss wegen Verstössen gegen die Meldepflicht von Belgiens Antidopingagentur noch gesperrt gewesen war.

Bei den Männern gab Rafael Nadal gegen Philipp Kohlschreiber einen ersten Satz ab (6:4, 6:2, 2:6, 7:5). Der Titelhalter aus Spanien trifft in den Achtelfinals auf "Aufschlag-Kanonier" Ivo Karlovic.