SKI ALPIN: WELTCUP-SLALOM MÄNNER WENGEN

Ski Alpin

17.01.2010 

(Si) Jubiläumssieg für Ivica Kostelic: Der Kroate sicherte sich mit dem Slalom-Triumph in Wengen seinen zehnten Weltcupsieg. Mit Silvan Zurbriggen (6. Platz) vermochten sich nur ein einziger Schweizer in den Punkten zu klassieren.

Zum zweiten Slalom-Podestplatz in dieser Saison fehlten dem Walliser, der schon nach dem ersten Lauf als Sechster klassiert war, nur 0,22 Sekunden. Auf Kostelic büsste er 0,73 Sekunden ein. "Ich konnte gut mit der Situation umgehen, dass kein anderer Schweizer im Finaldurchgang dabei war und ich habe ein gutes Rennen gezeigt. Im zweiten Lauf bin ich oben zwar nicht so gut gefahren, doch danach fand ich wieder zu meinem Rhythmus", sagte Zurbriggen, der den Verzicht auf die Spezial-Abfahrt am Samstag als "entscheidenden Faktor" bezeichnete. Er habe deshalb keine schweren Beine gehabt wie in früheren Jahren.

Er fühle sich im Slalom im Moment wirklich gut, ihm hätte auch in Wengen nicht viel zum dritten Platz gefehlt, so Zurbriggen. "Ich weiss, dass ich im Slalom voll mit der Spitze mitfahren kann." Die Frage, ob man aktuell den besten Silvan Zurbriggen überhaupt sehe, bejahte der 28-Jährige: "In anderen Jahren habe ich nie diese Konstanz erreicht. Diese zu erreichen, war nur möglich, weil ich in jüngerer Vergangenheit ohne Verletzungssorgen war und eine gute Vorbereitung absolvieren konnte."

Vorfreude auf Kitzbühel

Der Schweizer Allrounder, der in diesem Winter schon in allen fünf Disziplinen mindestens 17. geworden ist, ist gerade im Slalom ein Muster an Konstanz. Als einziger Fahrer neben Adelboden-Sieger Julien Lizeroux (noch nie schlechter als Siebenter) schied Zurbriggen in bisher fünf Saisonrennen in dieser Disziplin nie aus. Der 6. Platz in Wengen war sein zweitbestes Slalom-Resultat nachdem er vor Weihnachten in Alta Badia Zweiter geworden war. In Levi und Zagreb klassierte sich Zurbriggen jeweils als Zwölfter, in Adelboden als Zehnter.

Zurbriggen freute sich im Zielraum in Wengen auch bereits auf die Rennen in Kitzbühel. Vor Jahresfrist schaffte er im Tirol in der Kombination seinen bisher einzigen Weltcupsieg. "Ich habe schöne Erinnerungen und im Moment auch viel Selbstvertrauen. Ich werde wieder voll angreifen", versprach der Walliser. In Kitzbühel wird die Kombination noch nach alter Formel ausgetragen, weshalb Zurbriggen am Tag vor dem Slalom die Abfahrt bestreiten muss.

Ginis Blackout

Auf gutem Weg zu einem weiteren Spitzenresultat nach dem 6. Rang in Adelboden war Marc Gini. Der Bündner fuhr im ersten Lauf bis zur Zwischenzeit hervorragend und hatte zu diesem Zeitpunkt als Siebenter nur sieben Hundertstel Rückstand auf Halbzeitleader Kostelic. "Die Ski sind anders gefahren als dass ich es wollte. Ich kann mir den Fehler nicht erklären. Es war ein Blackout", so Gini schwer enttäuscht.

Marc Berthod kam nur wenige Tore weit. In fünf Slaloms in diesem Winter reichte es dem Bündner nur in Zagreb (16.) zu Punkten.

Das Nachwuchs-Trio Mauro Caviezel, Dimitri Cuche (beide ausgeschieden) und Justin Murisier verpasste die Qualifikation für den Finaldurchgang. Letzterer scheiterte am knappsten: Dem erst 18-jährigen Walliser fehlten als 37. weniger als drei Zehntel für die Top 30. Beim Weltcup-Debüt vor einer Woche in Adelboden hatten Murisier als 31. sogar nur fünf Hundertstel gefehlt.

Der für Moldawien startende Bündner Urs Imboden (15.) sicherte sich zum vierten Mal in Serie Weltcup-Punkte. "Nach dem guten Resultat in Adelboden (7. Platz -- Red.) war es schwierig, nicht übermotiviert ins Rennen in Wengen zu steigen. Meine beiden Läufe waren nicht super, aber ich bin zufrieden", so Imboden, der in den letzten Tagen auch einen neuen Kopfsponsor gefunden hat.

Kostelic acht Jahre danach

Vor weniger als einem Monat unterzog sich Ivica Kostelic im Bruderholz-Spital in Basel einer Knie-Arthroskopie. Bei seiner Rückkehr am 6. Januar in Zagreb schied der 30-jährige Kroate zwar noch aus, doch schon vor Wochenfrist in Adelboden zeigte er sich als Dritter vom Eingriff erholt. Nun in Wengen realisierte er seinen neunten Weltcupsieg im Slalom, den ersten seit seinem Triumph im Dezember 2008 in Alta Badia.

"Ich hätte nicht erwartet, dass ich nach meiner Verletzung so schnell wieder zurück an die Spitze komme." Das Knie sei zwar noch etwas geschwollen, aber es "funktioniert" schon wieder sehr gut, so Kostelic, der in Wengen vor acht Jahren schon einmal den Slalom gewann. Die bangsten Momente hatte der Kroate zwischen den zwei Durchgängen zu überstehen, als ihm (und dem fünftklassierten Benjamin Raich) die Disqualifikation wegen nicht korrektem Passieren des letzten Tores drohte. Nach eingehendem Videostudium entschied die Jury, den Kroaten und den Österreicher im Klassement zu belassen.

Raich verbesserte sich im Finallauf noch um eine Position auf den 4. Platz, hinter dem Schweden Andre Myhrer (erstes Podest seit drei Jahren) und dem zweifachen Saisonsieger Reinfried Herbst (Ö/3.). Im Gesamtweltcup führt Carlo Janka, der auf den Wengener Slalom verzichtete, noch mit 18 Punkten Vorsprung vor Benjamin Raich.