FUSSBALL: BAYERN, BAYER -- ODER VIELLEICHT ...

Fussball

14.01.2010 

(Si) Mit dem Heimspiel gegen Hoffenheim eröffnet Bayern München am Freitag die Jagd auf Bayer Leverkusen. Der nach der Vorrunde drittklassierte Rekordmeister ist neben Schalke erster Herausforderer des Halbzeit-Champions.

Verkehrte deutsche Fussball-Welt: Da führt Leverkusen mit den beiden Schweizern Tranquillo Barnetta und Eren Derdiyok zum zweiten Mal nach 2001/02 die Rangliste nach der Hälfte des Bundesliga-Pensums an, spielt attraktiv und offensiv. Wenn es darum geht, den Meister vorauszusagen, tippen dennoch 14 der 18 Trainer (bei zwei Enthaltungen) auf Bayern München. Auch Umfragen verschiedener Zeitungen und Online-Portale ergeben das gleiche Resultat. Zufall? Vorahnung? Oder haben Beteiligte und Unbeteiligte die Lehren aus der Vergangenheit gezogen? Von den Top-3-Teams schaffte es einzig Bayern München (14 von 16 Mal), einen Vorsprung nach 17 Runden über die volle Distanz zu bringen. Leverkusen und Schalke (1971/72 und 2000/01) scheiterten jeweils am Vorhaben, beide Male trug Bayern "schuld". Im Falle von Leverkusen war es ein 0:1 in Nürnberg in der 33. Runde, das den Favoriten von der Leaderposition stürzte. Schalkes Trauma trug ein Jahr zuvor den Namen Patrik Andersson und ein Trikot von Bayern München. Der Schwede stürzte "Königsblau" am 19. Mai 2001 um 17.21 Uhr mit seinem 2:1 in Hamburg in tiefe Depression, nachdem sich Schalke für vier Minuten als Meister hatte fühlen dürfen.

Schon als Leverkusen in der Saison 2001/02 der Bundesliga den Takt vorgab, sich die Teilnahme am Champions-League-Final verdiente und auch im deutschen Cupfinal stand, spielte das Team um Michael Ballack und die südamerikanische Fraktion (Zé Roberto, Lucio, Diego Placente, Paulo Rink) teils bezaubernden Fussball. Nur: Zu Titeln reichte es damals nicht, die Niederlagen trugen der Werkself einen weiteren Namen ein: "Vizekusen".

Hungrige Bayern

"Radikal statt innovativ" hiess die Devise bei Bayern München, als Louis van Gaal zum neuen Trainer bestimmt wurde. Als Resultate und Leistungen immer wieder in negativer Hinsicht korrespondierten, begannen sich diverse Exponenten in der Wortwahl zu vergreifen. Schnell machte wieder das Schlagwort "FC Hollywood" die Runde. Doch Van Gaal liess sich nicht von seinem von Disziplin geprägten Plan abbringen und schloss die Vorrunde mit vier Siegen in Folge ab. Seit zehn Runden sind die Bayern ungeschlagen, nur zwei Punkte hinter Leverkusen zurück -- und plötzlich gilt das finanziell wohl europaweit gesündeste Team von Format selbst ohne Franck Ribéry wieder als Favorit. Sollte der offenbar noch immer von Real Madrid umworbene Franzose in der Rückrunde endlich in Vollbesitz seiner Kräfte sein, verfügt Van Gaal über eine weitere hochkarätige Offensivkraft. Nicht mehr dabei ist Luca Toni, der nach einer torlosen Hinrunde leihweise an die AS Roma abgegeben wurde.

Magath erneut der Meistermacher?

Felix Magath verliess Wolfsburg im letzten Sommer als gefeierter Meister-Trainer und -Manager Richtung Gelsenkirchen. Nun befindet er sich dank 10 von 17 gewonnenen Spielen und nur einem Punkt Rückstand auf Leverkusen auch mit Schalke auf Kurs. Eine ganze Region träumt vom ersten Titel seit 1958, die finanziellen Probleme sind (wieder einmal) in den Hintergrund gerückt. Schalke, das sich mit fünf neuen Spielern verstärkt hat, soll aber laut deutschen Medienberichten unter erheblichem Erfolgsdruck stehen. Sollte der einstige UEFA-Cup-Sieger die Qualifikation für die Champions League verpassen, drohen Konsequenzen. Der Verein soll die Transferwerte der Spieler als Sicherheit bei einem US-Finanzkonzern hinterlegt haben, an liquide Mittel kann er durch Verkäufe also nicht kommen.

Der "Retter aus der Schweiz"

Bereits nach drei Ernstkämpfen eine Zwischenbilanz zu ziehen, ist gefährlich. Erst recht, wenn sie sich mit der Achtelfinal-Qualifikation in der Champions League (nun gegen Titelverteidiger Barcelona) und zwei Ligaspielen mit vier Punkten positiv anhört. So positiv der Start von Christian Gross als Trainer des VfB Stuttgart verlief: Der Zürcher mit der klaren Marschroute weiss genau, dass nur konzentrierte Arbeit die Schwaben aus den Niederungen der Tabelle hieven kann. Auf Schlagzeilen wie "der Retter aus der Schweiz" bildet sich der sechsfache Schweizer Meistertrainer nichts ein. Durch den miserablen Start unter Markus Babbel fiel der Champions-League-Teilnehmer sprichwörtlich tief, dank der Miniserie unter Gross überwinterte der VfB wenigstens auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Auch wenn nicht wenige Fans glauben, dass ihr Team die Saison noch auf einem einstelligen Rang beenden wird, ist für Gross klar: "Den Abstieg zu verhindern ist das einzige Ziel, nur das zählt. Dafür müssen wir alle unsere Kräfte bündeln." In der achttägigen Vorbereitung auf die Rückrunde in La Manga (Sp), wohin Gross wie zu seinen Zeiten mit dem FC Basel verreiste, lag das Hauptaugenmerk auf der Stabilisierung der Abwehr. "Wir beschäftigten uns damit, möglichst wenige Fehler in der Defensive zu machen, damit wir unser negatives Torverhältnis in ein positives drehen können." Die Einheiten mit Gross waren für die Spieler, wenig überraschend, kein Zuckerschlecken. "So eine Vorbereitung hatte ich zuletzt vor fünf Jahren unter Felix Magath", sagte Alexander Hleb dem Wochenmagazin "Sport Bild".